Während auf dem Gerüst geschäftiges Treiben herrscht, scheint die Zeit im Turm des Residenzschlosses hoch über Rudolstadt wie eingefroren. Noch heute ist hier das historische Glockengeschoss aus dem 18. Jahrhundert mit seinen feinen Details wie kunstvollen Profilierungen und Beschlägen erhalten – auch die drei Schlossglocken haben der Zeit getrotzt. Direkt über dem Glockengeschoss hat die Stube des Türmers samt angrenzender Kammern und gemütlichem Kachelofen die Jahre überdauert.
Das historische Glockengeschoss mit drei Bronzeglocken im Turm von Schloss Heidecksburg stammt noch aus dem 18. Jahrhundert.
Foto: STSG, André Kranert
Über dem Glockengeschoss wohnte der Türmer auf Schloss Heidecksburg. Er hielt auch Brandwache.
Foto: STSG, André KranertRatterndes Kleinod
Nur ein paar verwinkelte Stufen über der Türmerstube durchbricht seit Jahrhunderten ein rhythmisches Rattern die Stille, hier tut seit dem 18. Jahrhundert die historische Turmuhr ihren Dienst. Noch heute begeistert sie die Experten und steht voll funktionsfähig nur während der Turmsanierung eine Zeit still. Im Zuge der Bauarbeiten kommen auch ihre Zifferblätter in die Kur.

Foto: STSG, Uta Kolano
Im 44 Meter hohen Turm von Schloss Heidecksburg tut bis heute die historische Turmuhr ihren Dienst.
Foto: STSG, Carolin SchartZifferblatt auf Reisen
Im September 2026 wurde in luftiger Höhe auf dem Gerüst das erste von vier Zifferblättern aus dem Turm ausgebaut. Tagtäglich Wind und Wetter ausgesetzt, haben Fassung, Zeiger und Unterkonstruktion gelitten. In der Werkstatt wird das Zifferblatt in den kommenden Wochen restauriert. Die Fassung wird konserviert, die Unterkonstruktion repariert und die Zeiger werden wieder vergoldet.
Im September 2026 wurde am Schaft des Schlossturms das erste Zifferblatt der historischen Turmuhr für die Restaurierung ausgebaut.
Foto: STSG, Carolin Schart
Das historische Zifferblatt der Turmuhr wird gereinigt und die farbige Fassung durch die Restauratoren konserviert.
Foto: STSG, Carolin SchartBaustelle über dem Residenzschloss
Regen, Hitze und Wind haben auch am Mauerwerk und der Kupferdeckung des Schlossturms gezehrt. Im Rahmen der Sanierung wird das Natursteinmauerwerk gereinigt und der Stein wo notwendig gefestigt. Behutsam wurden auch verlorene Schmuckelemente der Architekturgliederung am Säulenschaft wieder ergänzt.

Foto: STSG, André Kranert
Durch die Neuverfugung wird dafür gesorgt, dass der Regen zukünftig wieder am Mauerwerk ablaufen kann. Aber auch die Kupferplatten der Turmhaube haben sich im Laufe der Zeit verzogen, Lücken sind entstanden, die ebenfalls bei der Sanierung wieder geschlossen werden.

Auf dem Gerüst ist die Turmsanierung auf Schloss Heidecksburg in den Endspurt gegangen.
Foto: STSG, André KranertDas Sonderinvestitionsprogramm I mit einem Volumen von 200 Millionen Euro, jeweils zu gleichen Teilen finanziert von Bund und Land, ermöglicht der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wichtige Sicherungsschritte an vielen Burgen und Schlössern in ganz Thüringen. Im Fokus stehen dabei dringend notwendige statische Sicherungen an Baukonstruktion, Dächern und neue Nutzungsperspektiven für die Kulturdenkmale. Die Sicherungen ermöglichen den Denkmalerhalt für kommende Generationen. Ihre Wirkung entfalten sie im ganzen Denkmal, bleiben aber meist in Dachstühlen und hinter Wänden oder unter Fußböden verborgen. Ab und zu wird es im SIP I aber auch mal goldig, zum Beispiel wenn die frisch vergoldeten Zeiger künftig wieder ihre Bahnen über den historischen Zifferblättern der Heidecksburg über Rudolstadt ziehen können.
Anke Pennekamp