In den Schlössern in Thüringen verbergen sich interessante Baugeschichten. Selten in einem Rutsch errichtet, sind die herrschaftlichen Anlagen über die Jahrhunderte gewachsen und besitzen oft mittelalterliche Ursprünge. Über die Zeit wurde auch des Öfteren mal umgebaut und aufgestockt. Denn auch Fürsten und Herzöge waren bei entsprechenden finanziellen Mitteln den modernen Errungenschaften ihrer Zeit mit neuem Wohnkomfort selten abgeneigt. Heute helfen Baunähte, Putze, Schmuckelemente unterschiedlicher Stile und Malschichten den Bauexperten dabei, die baugeschichtlichen Geheimnisse der Denkmale ans Licht zu bringen.
Vormals im Besitz der Burggrafen von Kirchberg, wurde die Wasserburg Kapellendorf im 14. Jahrhundert durch einen Strohmann von der Stadt Erfurt gekauft. Sie wurde zum wichtigen Pfund in der Erfurter Burgenpolitik, die der Stadt im Mittelalter dabei half, ihre wirtschaftlichen Interessen zu sichern. Die Burg wurde in dieser Zeit modernisiert und ausgebaut.
Foto: STSG, Philipp HortAuf der Wasserburg Kapellendorf hat sich ein besonderes baugeschichtliches Zeugnis mit Seltenheitswert erhalten. Hier wurde im Barock mit dem Prinzessinnenbau ein Bauvorhaben begonnen, das unvollendet bleiben sollte und dadurch heute besonders fasziniert. Das Gebäude war als Witwensitzt für Herzogin Eleonore Wilhelmine von Sachsen-Weimar gedacht. Nach dem Tod der Herzogin 1726 fanden die Bauarbeiten dann jedoch ihr jähes Ende. Als Rohbau blieb das Gebäude die nächsten Jahrzehnte leer. Später wurde der Bau als Scheune und in den 1970er Jahren dann als Saal für Veranstaltungen genutzt.
Ab 1723 wurde auf der Wasserburg Kapellendorf der Prinzessinnenbau errichtet.
Foto: STSG, Philipp HortRoher Bauschmuck
Noch heute ist der historische Rohbau-Charakter an der Fassade des Prinzessinnenbaus ablesbar. Beispielsweise blieben die Fenstergewände an den Fassaden unfertig behauen und überdauerten so auch spätere Umbauphasen.

Foto: STSG, Philipp Hort
Aber auch die Spuren späterer Umnutzungen sind heute am Gebäude ablesbar. Erst im 20. Jahrhundert wurde beispielsweise die Hoffassade durch zwei weitere Fensterachsen ergänzt. Dafür konnte man wahrscheinlich auf bereits bestehende bauliche Strukturen zurückgreifen. Als das Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Getreidespeicher diente, wurden wahrscheinlich Lüftungsöffnungen in die Fassade eingefügt, wie die Bauhistoriker annehmen. Später wurden die Öffnungen wieder verschlossen.
Bauhistorischer Befund einer später wieder verschlossenen Lüftungsöffnung aus Speicherzeiten in der Fassade des Prinzessinnenbaus.
Foto: STSG, Philipp HortSanierung für den Denkmalerhalt
Durch die späteren Umbauten und Überlastungen und vor allem einen zwischenzeitlichen Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken war das statische Gefüge des Prinzessinnenbaus durcheinandergeraten. Deshalb und wegen eines fehlenden zweiten Fluchtwegs blieb das Gebäude in den letzten Jahrzehnten ungenutzt. Durch Mittel von Bund und Land ist dank Sonderinvestitionsprogramm I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten jetzt die Sicherung des Kulturdenkmals mit der Sanierung von Dach und Fassaden möglich.

Bei der Sanierung steht der Erhalt der historischen Bausubstanz im Vordergrund, die Maßnahmen eröffnen mit einem Teilausbau aber auch neue Nutzungsperspektiven. Zwei neue Treppenhäuser werden errichtet, die zukünftig die Veranstaltungsräume im Inneren erschließen. Denn auch Denkmäler unterliegen modernen Anforderungen an Rettungswege und DIN-Normen. Auch die Erneuerung der Haustechnik gehört zu den wesentlichen Schritten zur Wiedernutzbarmachung des historischen Gebäudes. Für die Objektsicherheit werden zudem auch Brandschutzmaßnahmen umgesetzt.
Kur für den Prinzessinnenbau
Im Juni 2026 begann die Sanierung des Prinzessinnenbaus. Die Zimmerleute gingen im noch bauzeitlichen Dachstuhl ans Werk. Gerade die Fußpunkte der barocken Dachkonstruktion waren stark geschädigt.
Im Rahmen der Sicherungsmaßnahmen wird das Dachtragwerk des Prinzessinnenbaus aus den 1720er Jahren saniert.
Foto: STSG, Philipp HortSaniert wird im Bestand, so viel wie möglich soll von den historischen Balken und Sparren erhalten bleiben. Nach umfangreichen Reparaturen und der Wiederherstellung wichtiger statischer Knotenpunkte konnte Anfang Oktober 2026 ein symbolisches Richtfest gefeiert werden. Bis Ende 2026 soll das Dach wieder mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckt sein.



Parallel zur Dachsanierung begannen 2026 auch die Natursteinarbeiten an den Fassaden. Der Fassadenputz aus den 1970er Jahren wurde entfernt, Mauerwerk und Fugen gereinigt. Alte Fugenmörtel werden abgenommen und das historische Mauerwerk neu verfugt, damit kein Wasser eindringen kann.

Auszwickelungen durch kleine Steine in den relativ breiten Fugen des Natursteinmauerwerks sorgen für mehr Halt und Stabilität.
Foto: STSG, Philipp Hort2027 soll die Sanierung des Prinzessinnenbaus abgeschlossen werden. Seinen rohen Charme soll das rare historische Zeugnis eines barocken Rohbaus dabei behalten.
Anke Pennekamp