Schlossturmsanierung Schloss Heidecksburg

Goldige Zeiger und römische Ziffern in der Kur

BaugeschehenDenkmalpflegeSonderinvestitionsprogramm I
Im Turm von Schloss Heidecksburg in Rudolstadt scheint die Zeit still zu stehen. Nach einem großen Schlossbrand im 18. Jahrhundert errichtet, hat der Turm ohne größere Eingriffe die Zeit überdauert. Auch die historische Turmuhr ist dort noch heute erhalten. Im Sonderinvestitionsprogramm I wird der Turm seit 2026 saniert. Auch die historischen Ziffernblätter der Turmuhr werden dabei restauriert.

Während auf dem Gerüst geschäftiges Treiben herrscht, scheint die Zeit im Turm des Residenzschlosses hoch über Rudolstadt wie eingefroren. Noch heute ist hier das historische Glockengeschoss aus dem 18. Jahrhundert mit seinen feinen Details wie kunstvollen Profilierungen und Beschlägen erhalten – auch die drei Schlossglocken haben der Zeit getrotzt. Direkt über dem Glockengeschoss hat die Stube des Türmers samt angrenzender Kammern und gemütlichem Kachelofen die Jahre überdauert.

Ratterndes Kleinod

Nur ein paar verwinkelte Stufen über der Türmerstube durchbricht seit Jahrhunderten ein rhythmisches Rattern die Stille, hier tut seit dem 18. Jahrhundert die historische Turmuhr ihren Dienst. Noch heute begeistert sie die Experten und steht voll funktionsfähig nur während der Turmsanierung eine Zeit still. Im Zuge der Bauarbeiten kommen auch ihre Zifferblätter in die Kur.

Zifferblatt am Turm von Schloss Heidecksburg,
Foto: STSG, Uta Kolano

Zifferblatt auf Reisen

Im September 2026 wurde in luftiger Höhe auf dem Gerüst das erste von vier Zifferblättern aus dem Turm ausgebaut. Tagtäglich Wind und Wetter ausgesetzt, haben Fassung, Zeiger und Unterkonstruktion gelitten. In der Werkstatt wird das Zifferblatt in den kommenden Wochen restauriert. Die Fassung wird konserviert, die Unterkonstruktion repariert und die Zeiger werden wieder vergoldet.

Baustelle über dem Residenzschloss

Regen, Hitze und Wind haben auch am Mauerwerk und der Kupferdeckung des Schlossturms gezehrt. Im Rahmen der Sanierung wird das Natursteinmauerwerk gereinigt und der Stein wo notwendig gefestigt. Behutsam wurden auch verlorene Schmuckelemente der Architekturgliederung am Säulenschaft wieder ergänzt.
 

Während der Sanierung im Bestand ergänzter Naturstein am Schlossturm,
Foto: STSG, André Kranert

Durch die Neuverfugung wird dafür gesorgt, dass der Regen zukünftig wieder am Mauerwerk ablaufen kann. Aber auch die Kupferplatten der Turmhaube haben sich im Laufe der Zeit verzogen, Lücken sind entstanden, die ebenfalls bei der Sanierung wieder geschlossen werden.

Gereinigtes Mauerwerk am Schlossturm, Foto: STSG, André Kranert

Das Sonderinvestitionsprogramm I mit einem Volumen von 200 Millionen Euro, jeweils zu gleichen Teilen finanziert von Bund und Land, ermöglicht der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wichtige Sicherungsschritte an vielen Burgen und Schlössern in ganz Thüringen. Im Fokus stehen dabei dringend notwendige statische Sicherungen an Baukonstruktion, Dächern und neue Nutzungsperspektiven für die Kulturdenkmale. Die Sicherungen ermöglichen den Denkmalerhalt für kommende Generationen. Ihre Wirkung entfalten sie im ganzen Denkmal, bleiben aber meist in Dachstühlen und hinter Wänden oder unter Fußböden verborgen. Ab und zu wird es im SIP I aber auch mal goldig, zum Beispiel wenn die frisch vergoldeten Zeiger künftig wieder ihre Bahnen über den historischen Zifferblättern der Heidecksburg über Rudolstadt ziehen können. 

Anke Pennekamp


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