Die Burgen und Schlösser in Thüringen haben Jahrhunderte Bau- und Nutzungsgeschichte auf dem Buckel, die sie reich an Geschichte und Geschichten machen, aber nicht spurlos an der Bausubstanz vorübergegangen sind. Schlossdächer sind undicht, Konstruktionen unter schweren Lasten und Umbauten ins Wanken geraten. Setzungen, Feuchteschäden und marode Holzverbindungen haben zu schweren Schäden geführt.


Die Schäden liegen oft im Verborgenen unter Schiefer und Stuck – sie gefährden aber nicht nur Konstruktionen und Statik, sondern auch Innenausstattung und Nutzungen. Bund und Land haben 2021 ein 200 Millionen Euro umfassendes Sanierungsprogramm für die Schlösser und Burgen im Bestand der STSG auf den Weg gebracht, dessen erste Erfolge bereits sichtbar sind.
Im Sonderinvestitionsprogramm I der STSG werden 23 Projekte an Burg- und Schlossanlagen in ganz Thüringen umgesetzt. Neben statischen Sicherungen, geht es dabei auch um die Verbesserung von Brandschutz und Objektsicherheit, den Abbau von Barrieren und neuen Nutzungsperspektiven.
Abbildung: Fachwerksanierung am Ostflügel von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen im SIP I, Foto: STSG, Thomas MüllerHandwerk mit vielen Facetten
Unerlässlich für den Denkmalerhalt ist das Handwerk. 2025 wurde auf 13 Schloss- und Burgbaustellen der STSG im SIP I parallel gebaut. Mit historischen Handwerkstechniken und modernem Wissen werden Natursteinmauern restauriert und durch Anker stabilisiert, historische Dachkonstruktionen im Bestand saniert, Schiefer in alter Tradition neu gedeckt und Fachwerk in die Kur genommen.

Die Natursteinrestaurierung wird besonders auf den Burgruinen zur Herausforderung. In luftiger Höhe werden auf dem Burgberg Mauerkronen und Mauerwerk saniert, die Jahrhunderten trotzten, sich der Witterung aber geschlagen geben mussten. Bei den steinrestauratorischen Maßnahmen spielt die Chemie eine wichtige Rolle, denn neues und altes Baumaterial müssen sich nicht nur optisch vertragen. 2025 konnten die Ruinensicherungen auf den Burgruinen Bad Liebenstein und Ehrenstein im SIP I abgeschlossen werden. Derzeit noch gesperrt, sind die Burgruinen, sobald Baugerüste und Baustelleneinrichtung beräumt sind, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Zum Abschluss der Ruinensicherung der Burgruine Ehrenstein wurden allein 2025 rund 700 Quadratmeter Fassadenmauerwerk saniert. Während der dreijährigen Sanierung spielte auch der Naturschutz eine wichtige Rolle, denn mit der Zeit wurde die Ruine auch zu einem Teil der Naturlandschaft.
Foto: STSG, Philipp Hort
Mit Ausdauer und Geduld wurde auf dem rund 400 Meter hohen Burgberg die Burgruine Bad Liebenstein in drei Jahresabschnitten saniert. Zunächst musste die Burgbrücke instandgesetzt werden. Dann kamen auch Mauerkronen und weite Bereiche des Mauerwerks der Kernburg in die Kur. Das Natursteinmauerwerk wurde gereinigt und neu verfugt. Ausbrüche im Mauerwerk wurden behutsam ergänzt und auch Sandsteingewände von Fensteröffnungen restauriert und erneuert.
Foto: STSG, Constantin BeyerIhren alten Schwung hat die Turmhaube des Palasturms der Burg Weißensee im letzten Jahr zurückerhalten. Bei der Sanierung im Bestand griffen die Zimmerleute auch auf historische Techniken wie Holznägel und Zapfenverbindungen zurück. Abschließend wurde der Schiefer in Altdeutscher Deckung neu gedeckt. Ebenfalls im SIP I werden rund 50 Meter der historischen Ringmauer in der Burganlage saniert, auch hier schritten die Arbeiten 2025 mit großen Schritten voran.

Foto: STSG, Thomas Mülller
Die Haubensilhouette der Burg Weißensee verdankt ihren besonderen Schwung einem speziellen historischen Handwerkskniff, der auch bei der Sanierung erhalten blieb – die Sparren sind nicht gebogen, sondern die Bohlen in wechselnden Winkeln aneinandergesetzt und kurvig gesägt.
Foto: STSG, Thomas MüllerHandwerkserfolge sind auch auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen bereits sichtbar. 2025 wurde die Sanierung der Schossbrücke abgeschlossen. Im anschließenden Halsgraben wurde dann mit der Sanierung eines Stützmauerabschnitts fortgefahren und auch am Ostflügel sind die Zimmerleute am Werk, hier hat 2025 die Fachwerksanierung am Ostflügel angefangen.

Foto: STSG, Thomas Müller
Während auf Schloss Schwarzburg der neue Servicebereich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes weiter Gestalt annimmt, schritt auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden die Stützmauersanierung weiter voran und auch am Pavillon im Schlosspark Molsdorf hat sich einiges getan.
An den Stützmauern von Schloss Wilhelmsburg drehte sich auch 2025 alles um die Natursteinrestaurierung – Mauerwerk und Mauerkronen der bis zu zwölf Meter hohen historischen Mauern sind stark geschädigt. Unscheinbar aber mit tragender Bedeutung halten die Umfassungsmauer seit Jahrhunderten das Plateau zusammen auf dem das Renaissanceschloss fußt.
Foto: STSG, Thomas Müller
Der neue Aufzug für die barrierearme Erschließung des Hauptgebäudes von Schloss Schwarzburg ist bereits eingebaut und auch im Außenbereich konnte eine nachhaltige Kläranlage eingebaut werden. Die Bauarbeiten für den neuen Servicebereich mit Sanitäranlagen im Erdgeschoss des Hauptgebäudes schritten 2025 weiter voran. Beim Innenausbau kommt im Sinne der im Schloss-Hauptgebäude prägenden Spurenlese auch Recyclingmaterial zum Einsatz.
Foto: STSG, André Kranert
Die barocke Freitreppe im Außenbereich ist bereits saniert und auch am Parkpavillon wurde beginnend am Dach die Sanierung 2025 fortgesetzt.
Foto: STSG, Philipp HortEmsig wird auch am Torhaus der Burg Ranis seit letztem Jahr saniert. Viele Gewerke arbeiten hier parallel. Während die Zimmerleute das Dach abschnittweise abdecken und die darunterliegende Dachkonstruktion sanieren, wurden im Inneren Gewölbe, Decken- und Fachwerkkonstruktionen in die Kur genommen.

An den markanten verschieferten Fachwerkerkern des Torhauses der Burg Ranis begannen 2025 die Sanierungsarbeiten.
Foto: STSG, André Kranert
Mit Geduld und Steinmetzgeschick werden am Torhaus der Burg Ranis Gesimse und Fenstergewände restauriert und wo notwendig ergänzt.
Foto: STSG, André KranertNicht weniger los war am Renaissanceschloss auf den Dornburger Schlössern, hier hat 2025 ebenfalls die Sanierung gestartet. Am sogenannten Goetheschloss – der Dichterfürst weilte 1828 einige Wochen im Renaissanceschloss – wird seit letztem Jahr der historische Dachstuhl saniert und parallel im Inneren des Schlosses mit den Vorbereitungen für den Einbau eines neuen zweiten Fluchttreppenhauses begonnen.

Foto: STSG, Philipp Hort
Im Herbst konnte die Sanierung der rund 400 Jahre alten Turmhaube über dem Treppenturm des Dornburger Renaissanceschlosses abgeschlossen werden. Zur Feier des Etappensieges wurde der mit Zeitkapseln befüllte historische Turmknopf zusammen mit der restaurierten Wetterfahne wiederaufgesetzt.
Foto: STSG, Anke PennekampAuf Schloss Altenstein wurde der Innenausbau für den Abschluss der Sanierung des 1982 ausgebrannten Schlosses weiter vorangetrieben. Mit der Wiederherstellung der historischen Tapeten für den Festsaal wurde hier 2025 ein besonderes Restaurierungsprojekt umgesetzt.

Foto: STSG, Uta Kolano
Zum Jahresende 2025 ging dann auch ein Großprojekt in die Startlöcher – die Dachsanierung am Westflügel von Schloss Heidecksburg in Rudolstadt begann mit der Baustelleneinrichtung und dem Gerüstaufbau. Bis zur Spitze des Schlossturms wird das Gerüst noch hinauf wachsen.

Vom Gerüstbau über die Zimmermannskunst bis zur Haustechnik, das SIP I fordert die ganze Breite der historischen und modernen Handwerkskunst heraus. Und für 2026 stehen schon die nächsten Bauprojekte in den Startlöchern.
Anke Pennekamp