Sonderinvestitionsprogramm I

Mit Handwerkskunst zum Denkmalerhalt

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Wo einst berühmte Dichter und Gelehrte gastierten, Komponisten sich inspirieren ließen und Fürsten und Herzöge Geschichte schrieben, regiert im Sonderinvestitionsprogramm I der STSG jetzt das Handwerk und zeigt dabei nicht weniger Taktgefühl und Liebe zum Detail. Immer im Fokus steht der Denkmalerhalt, für den 2025 wichtige Meilensteine erreicht werden konnten.

Die Burgen und Schlösser in Thüringen haben Jahrhunderte Bau- und Nutzungsgeschichte auf dem Buckel, die sie reich an Geschichte und Geschichten machen, aber nicht spurlos an der Bausubstanz vorübergegangen sind. Schlossdächer sind undicht, Konstruktionen unter schweren Lasten und Umbauten ins Wanken geraten. Setzungen, Feuchteschäden und marode Holzverbindungen haben zu schweren Schäden geführt.

Die Schäden liegen oft im Verborgenen unter Schiefer und Stuck – sie gefährden aber nicht nur Konstruktionen und Statik, sondern auch Innenausstattung und Nutzungen. Bund und Land haben 2021 ein 200 Millionen Euro umfassendes Sanierungsprogramm für die Schlösser und Burgen im Bestand der STSG auf den Weg gebracht, dessen erste Erfolge bereits sichtbar sind.

Handwerk mit vielen Facetten

Unerlässlich für den Denkmalerhalt ist das Handwerk. 2025 wurde auf 13 Schloss- und Burgbaustellen der STSG im SIP I parallel gebaut. Mit historischen Handwerkstechniken und modernem Wissen werden Natursteinmauern restauriert und durch Anker stabilisiert, historische Dachkonstruktionen im Bestand saniert, Schiefer in alter Tradition neu gedeckt und Fachwerk in die Kur genommen.

Burgruine Ehrenstein 2025, Foto: STSG, Philipp Hort

Die Natursteinrestaurierung wird besonders auf den Burgruinen zur Herausforderung. In luftiger Höhe werden auf dem Burgberg Mauerkronen und Mauerwerk saniert, die Jahrhunderten trotzten, sich der Witterung aber geschlagen geben mussten. Bei den steinrestauratorischen Maßnahmen spielt die Chemie eine wichtige Rolle, denn neues und altes Baumaterial müssen sich nicht nur optisch vertragen. 2025 konnten die Ruinensicherungen auf den Burgruinen Bad Liebenstein und Ehrenstein im SIP I abgeschlossen werden. Derzeit noch gesperrt, sind die Burgruinen, sobald Baugerüste und Baustelleneinrichtung beräumt sind, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ihren alten Schwung hat die Turmhaube des Palasturms der Burg Weißensee im letzten Jahr zurückerhalten. Bei der Sanierung im Bestand griffen die Zimmerleute auch auf historische Techniken wie Holznägel und Zapfenverbindungen zurück. Abschließend wurde der Schiefer in Altdeutscher Deckung neu gedeckt. Ebenfalls im SIP I werden rund 50 Meter der historischen Ringmauer in der Burganlage saniert, auch hier schritten die Arbeiten 2025 mit großen Schritten voran.

Burg Weißensee mit sanierter Turmhaube,
Foto: STSG, Thomas Mülller

Handwerkserfolge sind auch auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen bereits sichtbar. 2025 wurde die Sanierung der Schossbrücke abgeschlossen. Im anschließenden Halsgraben wurde dann mit der Sanierung eines Stützmauerabschnitts fortgefahren und auch am Ostflügel sind die Zimmerleute am Werk, hier hat 2025 die Fachwerksanierung am Ostflügel angefangen.

SIP-Baustelle im Halsgraben von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen,
Foto: STSG, Thomas Müller

Während auf Schloss Schwarzburg der neue Servicebereich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes weiter Gestalt annimmt, schritt auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden die Stützmauersanierung weiter voran und auch am Pavillon im Schlosspark Molsdorf hat sich einiges getan.

Emsig wird auch am Torhaus der Burg Ranis seit letztem Jahr saniert. Viele Gewerke arbeiten hier parallel. Während die Zimmerleute das Dach abschnittweise abdecken und die darunterliegende Dachkonstruktion sanieren, wurden im Inneren Gewölbe, Decken- und Fachwerkkonstruktionen in die Kur genommen.

Torhaus der Burg Ranis mit Baugerüst, Foto: STSG, André Kranert

Nicht weniger los war am Renaissanceschloss auf den Dornburger Schlössern, hier hat 2025 ebenfalls die Sanierung gestartet. Am sogenannten Goetheschloss – der Dichterfürst weilte 1828 einige Wochen im Renaissanceschloss – wird seit letztem Jahr der historische Dachstuhl saniert und parallel im Inneren des Schlosses mit den Vorbereitungen für den Einbau eines neuen zweiten Fluchttreppenhauses begonnen.

Renaissanceschloss Dornburg mit Baugerüst,
Foto: STSG, Philipp Hort

Auf Schloss Altenstein wurde der Innenausbau für den Abschluss der Sanierung des 1982 ausgebrannten Schlosses weiter vorangetrieben. Mit der Wiederherstellung der historischen Tapeten für den Festsaal wurde hier 2025 ein besonderes Restaurierungsprojekt umgesetzt.

Wiederhergestellte historische Tapete auf Schloss Altenstein,
Foto: STSG, Uta Kolano

Zum Jahresende 2025 ging dann auch ein Großprojekt in die Startlöcher – die Dachsanierung am Westflügel von Schloss Heidecksburg in Rudolstadt begann mit der Baustelleneinrichtung und dem Gerüstaufbau. Bis zur Spitze des Schlossturms wird das Gerüst noch hinauf wachsen.

Wachsendes Baugerüst für die Dachsanierung am Westflügel auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt, Foto: STSG, Carolin Schart

Vom Gerüstbau über die Zimmermannskunst bis zur Haustechnik, das SIP I fordert die ganze Breite der historischen und modernen Handwerkskunst heraus. Und für 2026 stehen schon die nächsten Bauprojekte in den Startlöchern.

Anke Pennekamp


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