Das Residenzschloss Heidecksburg birgt neben Raumkunstwerken aus Barock, Rokoko und Klassizismus sowie reichen kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen einen besonderen naturkundlichen Schatz, der eine Zeitreise von den Anfängen der Wissenschaften bis in die Gegenwart bietet. Im Nordflügel von Schloss Heidecksburg befindet sich das rekonstruierte Fürstliche Naturalienkabinett von Fürst Friedrich Karl von Schwarzburg-Rudolstadt, gegründet im Jahr 1757. Diese Rarität ist das Zentrum der Dauerausstellung und bildet zugleich den historischen Kern, der durch moderne Technik in das digitale Museumszeitalter gebracht wurde – ohne dabei den Charme des originalen Objektes aus den Augen zu verlieren.

Ein Ozelot wacht am Eingang zum Schaumagazin im Naturhistorischen Museum auf Schloss Heidecksburg.
Foto: STSG, André KranertIm Schaumagazin sind über 300 Vogel- und Säugetierarten aus aller Welt zu sehen. Die Präparate aus annähernd drei Jahrhunderten lassen nicht nur den Wandel der zoologischen Präparation über die Zeit nachvollziehen, sondern stellen Verwandtschaftsbeziehungen der Vögel und Säuger dar.
Papageien, Raubkatzen und weitere Tiere tummeln sich im Nordflügel von Schloss Heidecksburg. Rund 25.000 Objekte vom Tierpräparat bis zu Fossilien wurde bis 2025 im Projekt HEIdigital neu erfasst und digitalisiert.
Foto: STSG, André KranertAlle Exponate der Schausammlung können – einmalig in Thüringen – mittels digitaler Objektbeschriftung erkundet werden. Zudem können fünf verschiedene Entdecker-Touren durch die Schausammlung gewählt werden. Fürst Friedrich Karl führt persönlich – als digitaler Avatar – durch die Ausstellung.

Wo die Ordnung der Natur zerfließt und die Objekte flüstern, erschafft die künstlerische Installation „Neochimera“ von Robert Seidel neue Lebensformen aus Vergangenheit und Algorithmus. Die Inszenierung wurde eigens für das Naturhistorische Museum entwickelt. Sie verbindet klassische Naturbetrachtung mit zeitgenössischer Technologie. Mithilfe einer speziell trainierten Künstlichen Intelligenz und generativer Algorithmen werden Präparate, Illustrationen und Modelle aus den Bereichen der Tier-, Pflanzen- und Mineralreiche zu hybriden, sich ständig wandelnden Lebensformen verarbeitet.
Begleitet wird die Installation von einer Klanglandschaft des Komponisten Grischa Lichtenberger. Geräusche aus den drei Naturreichen – das Knistern von Kristallen, das Rascheln von Blättern, feine Tierlaute – werden zerlegt und neu verwoben. So entsteht ein akustisches Ökosystem, das die Grenzen zwischen natürlichen und künstlichen Klangsphären auflöst.
Seit Dezember 2025 wird die Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums im Residenzschloss Heidecksburg außerdem durch ein interaktives Korallenriff ergänzt, das im Rahmen des durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projekts „HEIdigital“ entstand. Grundlage ist die fast 1.000 Objekte umfassende Korallensammlung des Museums.
Das Leben im Korallenriff kann im Naturhistorischen Museum spielerisch entdeckt werden.
Foto: STSG, André KranertDie Korallensammlung geht weit in die Geschichte des Naturalienkabinettes zurück, historische Stücke werden durch jüngere Funde ergänzt, die aus Taucherexpeditionen stammen. Das digitale Echtzeit-Riff zeigt, was Korallen sind, wie sie leben und wie sie sich schützen lassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit für große und kleine kreative Köpfe, eigene Fische im Riff zum Leben zu erwecken.
Gastbeitrag von Dr. Sandy Reinhard, stellv. Direktorin des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg und Kustodin des Naturhistorischen Museums Schloss Heidecksburg