Die Mönche des Mittelalters hatten einen besonderen Sinn für die Wahl der Orte, an denen sie ihre Klöster gründeten. Nicht selten waren heidnische Kultplätze in der Nähe, vor allem aber hatten sie die Versorgung mit Wasser und die Möglichkeiten der Landwirtschaft und nicht zuletzt die Erreichbarkeit über nicht zu fern verlaufende Verkehrswege im Blick. Denn Klöster waren teile von Ordensnetzwerken, in denen nicht nur religiöses, sondern auch praktisches Wissen gepflegt wurde. Neugründungen brachten technologische Innovationen mit, Klöster erschlossen und prägten Kulturlandschaften. Wie das selbst nach dem Auflösen von Klöstern nachwirkte, zeigt auf besondere Weise das Kloster St. Wigbert in Göllingen, dessen Geschichte eine neue Dauerausstellung nachspürt.

1000 Jahre Klostergeschichte
Vor mehr als 1.000 Jahren wurde das Kloster St. Wigbert gegründet. Es war eine Filiale des Hersfelder Benediktinerklosters und damit Teil eines großen europaweiten Netzwerks. In mehreren Bauphasen wurde die Klosterkirche errichtet, umgeben von den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.



Kloster – Domäne – Konservenfabrik
Wichtiges Standbein der Benediktinermönche war die Landwirtschaft, für die sie neben Ställen und Scheunen weitere notwendige Infrastruktur schufen. Das machte das Kloster auch nach seiner Auflösung infolge der Reformation interessant. Die ihrer geistlichen Funktion beraubte Anlage mit ihren Besitzungen wurde zur Domäne der Landgrafen von Hessen, später der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Als Domäne lieferte das frühere Kloster einen wichtigen Teil der Einnahmen des jeweiligen Staats, und das blieb auch nach dem Ende der Monarchie 1918 so. In der Zeit der DDR wurde die Domäne, die sich inzwischen zu einer Konservenfabrik für Agrarprodukte aus der Umgebung entwickelt hatte, zum Volkseigenen Betrieb. Erst in den 1990er Jahren stellte die Fabrik nach kurzzeitigem Betrieb als GmbH ihre Arbeit ein.
Turm der ehemaligen Klosterkirche St. Wigbert in Göllingen mit früherem Domänen- und ehemaligem Fabrikgebäude.
Foto: STSG, Philipp HortDie Umnutzungen und Veränderungen hinterließen sichtbare Spuren an der ursprünglichen Klosteranlage. Von der romanischen Klosterkirche blieb im Wesentlichen der Turm erhalten, dessen architektonisch erlesene Krypta sich als Keller eignete.

Zu Konservenfabrikzeiten diente die kühle Krypta unter dem Turm der ehemaligen Klosterkirche als Lagerraum.
Foto: STSG, Philipp HortDie übrigen Klostergebäude wurden abgerissen oder gingen in den Lager- und Verwaltungsbauten auf. In einem der jüngeren Fabrikbauten, einem Lagerhaus für Edelkonserven aus den 1950er Jahren mitten in der Anlage, geht die neue Dauerausstellung dem Aussehen und der Nutzung von Kloster Göllingen über die verschiedenen Epochen nach. Stationen im Freien erklären die Funktion und Geschichte der einzelnen Bauten, sichtbarer Zeugen eindrucksvoller Kontinuität und bedauerlicher Verluste zugleich.
Franz Nagel
Ausstellung „Vom Kloster zur Konserve“
Kloster Göllingen mit Ausstellung „Vom Kloster zur Konserve“
April bis Oktober
täglich 10 bis 17 Uhr (außer Mi)
Die Ausstellung wurde gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.