Spezialisten machen einen historischen Aufzug wieder fahrtüchtig

„Wir betreiben Technikarchäologie“

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Ein mobiles Kunstwerk der Technikgeschichte wird auf Schloss Sondershausen instandgesetzt.

„Es ist kein Geschwindigkeitsrausch, aber man kommt gut voran“, beschreibt Robin Augenstein das Erlebnis, das Gäste auf Schloss Sondershausen bald wieder haben können, wenn sie bequem den Riesensaal im Südflügel erreichen wollen. Der Spezialist für historische Aufzüge setzt dort mit seinen Mitarbeitern den historischen Aufzug wieder in Gang. „Der Aufzug stammt von 1909, das ist für eine Aufzugsanlage sehr alt. Und dennoch ist sie in einem recht guten Zustand“, sagt Augenstein.

Historischer Aufzug vor Sanierungsbeginn im Südflügel von Schloss Sondershausen, Foto: STSG, Manuel Mucha

Die Instandsetzung eines historischen Aufzugs sei jedes Mal ein neues Abenteuer, so der Technikexperte. „Gerade in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war kein Aufzug von der Stange, jede Anlage war eine Sonderanfertigung.“ Aufzugsfirmen lieferten maßgeschneiderte Lösungen, lokale Handwerker nicht selten die Ausstattung. Für Ausstattung und Gestaltung gab es Musterbücher. „So ein Aufzug war ein Luxusprodukt und ein Statussymbol. Man wollte sich elegant vertikal fortbewegen. Wer sich so einen Aufzug einbaute, demonstrierte außerdem Modernität.“ In Sondershausen kam eine körperliche Behinderung hinzu – der Bauherr Fürst Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen hatte infolge eines Jagdunfalls Schwierigkeiten beim Treppensteigen.

Historische Aufzüge entsprechen nicht den heutigen Normen. Aber das müssen sie auch nicht, um wieder nutzbar zu sein, wie Robin Augenstein erklärt: „Es geht dabei immer um Einzelfallentscheidungen und individuelle technische Lösungen. Zu Beginn eines solchen Projekts schauen wir uns die Anlage mit allen an, die für die Zulassung wichtig sind, und diskutieren Lösungen. In Sondershausen war schnell klar, dass wir den Aufzug wieder einsetzen können.“ Zwar sei die Elektrik desolat, aber der 1953 erneuerte Motor und vor allem auch das Getriebe und die Seiltrommel aus der Entstehungszeit seien weiter verwendbar.

Grundlage ist eine genaue Untersuchung des Bestands, denn Aufzüge wurden oft mehrfach verändert und umgebaut. Augenstein schaut sich genau an, was zum ursprünglichen Aufzug gehört und was später ergänzt wurde. „Im Grunde betreiben wir Technikarchäologie“, kommentiert Augenstein. „Wir versuchen uns der ursprünglichen Funktionsweise anzunähern und sie wieder in Gang zu setzen. Sicherheit hat dabei wie bei neuen Aufzügen oberste Priorität. Was bei modernen Aufzügen durch Überwachungstechnik erreicht wird, hat man früher oft durch die Materialbeschaffenheit sichergestellt.“

Historischer Aufzug im Südflügel von Schloss Sondershausen, Foto: STSG, Manuel Mucha

Nicht nur die Technik und die Konstruktion müssen sicher sein, sondern auch die Ausstattung. Beim Aufzug in Schloss Sondershausen fehlen beispielsweise die Kabinentüren. Sie werden nun nach historischem Muster wieder ergänzt, damit Fahrgäste den Aufzug gefahrlos nutzen können. Ganz frei zugänglich wird der Aufzug allerdings nicht sein. Das war er aber auch vorher nicht. „Dieser Aufzug konnte von Anfang an nur mit einem speziellen Schlüssel gerufen und geöffnet werden. Das war also immer eine exklusive Angelegenheit für ausgewählte Personen“, weiß Aufzugsexperte Augenstein.

Natürlich ist eine Fahrt in einem historischen Aufzug auch ein ästhetisches Erlebnis. Und das nicht nur für die späteren Besucher, sondern auch für die Technik-Denkmalpfleger: „Für uns ist es besonders spannend, technisches Kulturgut zu retten – besonders dann, wenn es sich am Ende nicht um reine Museumsstücke handelt und die Aufzüge ihren ursprünglichen Zweck wieder erfüllen können“, sagt Robin Augenstein.

Franz Nagel


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