Rund vier Jahre lang konnte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten große Schritte in den Bereichen Vermittlung, Bildung und Digitales gehen. Den Rahmen bildete das Förderprojekt SchlösserWelt Digital&Original mit einem Volumen von insgesamt 3,9 Millionen Euro, finanziert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Über Idee und Ergebnisse sprechen Direktorin Dr. Doris Fischer und Projektleiterin Maria Porske.

Das Förderprojekt trägt den Namen SchlösserWelt Digital&Original. Welches Ziel war mit der programmatischen Bezeichnung verbunden?
Dr. Doris Fischer: Unsere Idee war von Anfang an, dass möglichst viele unserer Kulturdenkmale von dem Förderprojekt profitieren sollen, vor allem im ländlichen Raum. Wichtig war uns außerdem, dass sich an den Orten selbst das Besuchserlebnis verbessert. Digitale Instrumente wollten wir so einsetzen, dass sie ganz konkret unterstützen und sinnvoll an das Analoge anknüpfen. Das hat uns konzeptionell von Beginn an geleitet – sowohl bei den Vermittlungsprojekten als auch bei der Digitalisierung ausgewählter Arbeitsmittel bei uns im Haus. Im Kern dreht sich ja bei uns alles um Bau- und Gartendenkmale, also historische Substanz mit einer speziellen Aura, die wir pflegen und an die wir die Gäste heranführen wollen. Dafür müssen und wollen wir uns der jeweils zeitgemäßen Mittel bedienen, um bei der Arbeit effizient zu sein und das Publikum zielgerichtet anzusprechen. Hier hatten wir Nachholbedarf, und das Projekt SchlösserWelt Digital&Original hat uns wirkliche Meilensteine ermöglicht. Dafür sind wir den Zuwendungsgebern sehr dankbar.

Auf welche Weise profitieren Originale von der Förderung?
Maria Porske: Das wird an zwei unserer Projektschwerpunkte besonders deutlich: In Kloster St. Wigbert in Göllingen und auf dem Oberschloss Kranichfeld haben wir neue Dauerausstellungen eingerichtet, die beim Besuch vor Ort die Augen für die Ablesbarkeit von Geschichte an den Gebäuden selbst öffnen. Unter dem Motto „Sehen lernen“ haben wir uns ganz bewusst auf die Bauten selbst und die Details aus verschiedenen Epochen konzentriert, die Gäste mit der nötigen Information selbst einordnen können. Die Ausstellungen sind aber auch verbunden mit unserer neuen Mediaguide-App, die an bestimmten Stationen Vertiefungsangebote macht, zugleich aber auch eine digitale Führung auf eigene Faust durch die Anlagen ermöglicht. Wir haben also die Wahl des Mediums aus dem Bedarf heraus entwickelt.

Foto: STSG, Philipp Hort
Was leistet der Mediaguide noch?
Porske: Wir haben ihn als webbasierte App für die Benutzung auf dem eigenen Smartphone ohne vorherigen Download angelegt. So können Gäste den Guide unabhängig benutzen. Das war uns wichtig, denn in der App gibt es Guides für insgesamt sieben Kulturdenkmale, deren Museen zum Teil nur in den Sommermonaten geöffnet sind. Man kann die Stationen hören oder lesen, es gibt historische Fotos und Rätsel, in mehreren Fällen auch Zeitzeugenstimmen für die Zeitgeschichtlichen Themen.
Vom Balkon Thüringens bis zur mittelalterlichen Klostergeschichte – sieben Multimediaguide-Touren nehmen mit auf Entdeckungstour durch Schloss-, Burg-, Kloster- und Gartengeschichte in Thüringen. QR-Code vor Ort scannen und losflanieren heißt es seit 2025 im Kloster Paulinzella, auf den Dornburger Schlössern und Gärten, Schloss Schwarzburg, der Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt, dem Oberschloss Kranichfeld, Schloss und Park Wilhelmsthal und im Kloster Göllingen.
Foto: STSG, Philipp HortZwei Ausstellungen, sieben Mediaguides …
Fischer: … und 36 Imagefilme! Mit den Filmen wollten wir tatsächlich unser ganzes Portfolio in bewegten Bildern erfassen und präsentieren alle 31 Burgen, Schlösser, Gärten und Klöster in unterschiedlich langen Filmclips, dazu noch fünf Schwerpunktfilme, die einen Eindruck vom kulturellen Reichtum Thüringens vermitteln und davon, was wir für dessen Erhalt täglich tun. Uns war es wichtig, mit unmittelbar emotional ansprechenden Bildern für unsere Anlagen zu interessieren und zu begeistern, und das ist sehr gut gelungen.
36 Imagefilme machen Lust auf Wanderausflüge, Schlossbesuche, das Flanieren durch historische Park- und Gartenanlagen und geben Einblicke in das vielfältige Thüringer Kulturerbe.
Kollage: STSGSchloss Schwarzburg konnte im Förderprojekt als außerschulischer Lernort etabliert werden. Warum gerade dieser Ort?
Fischer: Mit Schloss Schwarzburg, in dem vom Mittelalter bis zum Nationalsozialismus und im Grunde bis in unsere Gegenwart alle Epochen deutlich sichtbare Spuren hinterlassen haben, verbindet sich praktisch zwingend ein Bildungsauftrag. Der besonderen Atmosphäre des Hauptgebäudes, das in den 1940er Jahren durch einen nicht vollendeten Umbau zum Reichsgästehaus schwer geschädigt wurde, kann sich kaum jemand verschließen. Das macht ihn zu einem idealen Ort für die außerschulische Bildung junger Menschen, gerade auch mit Blick auf Geschichte und Demokratiebildung. Ohne das Förderprojekt hätten wir nicht schaffen können, was jetzt durch kluge Konzepte und intensive Vernetzungsarbeit gelungen ist: auf Schloss Schwarzburg gehen Schulklassen und Gruppen aus und ein, Lehrerinnen und Lehrer kommen mit Anfragen auf uns zu.
Porske: Auch dort setzen wir gezielt digitale Medien ein, um das Vor-Ort-Erlebnis zu ergänzen. Neben einem Mediaguide-Rundgang gibt es einen Action-Bound, eine Art digitale Schnitzeljagd, die auf der Spurensuche nach verlorengegangenen Gebäudeteilen begleitet und so Zusammenhänge anschaulich macht.

Foto: IBA Thüringen, Thomas Müller
An welches Alter ist dabei gedacht?
Porske: Die Lernort-Angebote richten sich vor allem an Schülerinnen und Schüler ab etwa Klasse 7. Entsprechend dem Alter und Lernniveau haben wir aber verschiedene Module entwickelt und können so die Vermittlungstiefe anpassen. Anderenorts haben wir aber gezielt jüngere Kinder und Familien im Blick: Auf den Dornburger Schlössern, im Schlosspark Altenstein und in Kloster Paulinzella gibt es Entdeckerrucksäcke mit vielen Utensilien und schön gezeichneten Rätselplänen, mit denen man auf die Pirsch gehen kann. Auch da setzen wir natürlich auf Lerneffekte, im Vordergrund steht aber der Spaß beim Entdecken.
Mit Geistereule und Drache können große und kleine Entdecker gemeinsam spielerisch in Denkmalgeschichte eintauchen.
Foto: STSG, Franz NagelKommen wir zu dem, was Gäste nicht sehen. Was stand im Hinblick auf Digitalisierungsprozesse im Vordergrund?
Fischer: Uns war klar, dass wir im Förderzeitraum und mit den verfügbaren Mitteln keinen umfassenden Digitalisierungsprozess für alle Arbeitsbereiche würden abschließen können. Deshalb haben wir Prioritäten gesetzt, eingebettet in eine Digitalstrategie. Wichtiges Ziel war es, vorhandene Instrumente auszubauen und dort neue zu schaffen, wo wir einen erhöhten Bedarf ermittelt hatten. Ein wichtiges interdisziplinäres Arbeitswerkzeug ist unser selbst entwickeltes digitales Raumbuch, das wir in den vergangenen Jahren zu einer vielfältig einsetzbaren Datenbank ausgebaut haben und das mittlerweile auch andere Einrichtungen einführen. Hier konnten wir im Rahmen von SchlösserWelt Digital&Original Funktionen erweitern. Neu eingeführt haben wir etwa eine Fotodatenbank und ein Baumkataster. Weitere digitale Werkzeuge werden folgen.
Porske: Am Beispiel Fotodatenbank lässt sich deutlich machen, worum es bei den einzelnen Digitalisierungsmaßnahmen geht. Natürlich haben wir auch vorher unsere Bildbestände systematisch abgelegt und konnten damit arbeiten. In den letzten Jahren haben die Bestände aber exponentiell zugenommen. Mit der Fotodatenbank können wir die Fotos verschlagworten, ressourcensparend speichern und in unterschiedlichen Dateiformaten automatisiert von überallher abrufen. Das spart viel Zeit und erleichtert uns die tägliche Arbeit in allen Bereichen enorm. Ähnlich ist es mit dem Baumkataster, das es unseren Parkteams ermöglicht, den Baumbestand im Blick zu haben und die Pflege genauer zu planen. Das wird angesichts der um sich greifenden Schäden durch Trockenheit immer wichtiger und ist auch sicherheitsrelevant.

Im Dezember 2025 endete das Förderprojekt. Wie fällt die Bilanz aus?
Fischer: Wir sind ausgesprochen zufrieden und dankbar. Es ist gelungen, die Projekte so zuzuschneiden, dass sie sich gut in unsere dauerhafte Arbeit einfügen, die ja parallel weiterlief. Die Ergebnisse haben uns an vielen Stellen einen Qualitätssprung verschafft, der auch für das Publikum sichtbar ist und zu erfreulichen Rückmeldungen führt. Sorge bereitet mir, wie wir die Erfolge aufrechterhalten. Analoge wie digitale Anwendungen bedürfen ja der Pflege und Aktualisierung. Ohne das bisherige Projektpersonal stehen wir da vor großen Problemen. Unser Wunsch ist natürlich auch, das Erprobte auf Kulturschätze anzuwenden, die wir bisher im Förderprojekt nicht berücksichtigen konnten.
Interview: Franz Nagel