Der Französische Bau der Veste Heldburg entstand im 16. Jahrhundert unter Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen nach Plänen des Hofbaumeisters Nikolaus Gromann. Er versinnbildlicht den Wandel der Veste von der wehrhaften Burg zum Bergschloss. Seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Wettiner, war die Veste Heldburg lange wichtiger Bestandteil der wettinischen Grenzsicherung. Mit Feuerzeichen wurde von ihr aus einst vor Gefahren gewarnt. Um 1500 wurde die Burg umfangreich ausgebaut, ab 1561 entstand binnen weniger Jahre der Französische Bau mit herrschaftlichen Wohn- und Repräsentationsräume.

Bauherr des Französischen Baus war Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen. Er war der Sohn Johann Friedrichs des Großmütigen, der für die Reformation gekämpft und dabei das Kurfürstenamt verloren hatte. Johann Friedrich II. versuchte unter dem Einfluss des Reichsritters Wilhelm von Grumbach und eines jugendlichen Sehers, die Kurwürde für die Familie zurückzuerlangen. Die Veste Heldburg spielte dabei als Aufenthaltsort eine große Rolle, der Französische Bau sollte vermutlich auch den ständischen Anspruch zum Ausdruck bringen. Viel hatte der Herzog nicht mehr von seinem Prachtbau – 1567 wurde er mit Ritter Grumbach in Gotha wegen seiner aufrührerischen Aktivitäten in kaiserlichem Auftrag gefangen genommen und verbrachte den Rest seines Lebens in Haft in Wiener Neustadt. Grumbach wurde in Gotha gevierteilt.
Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus GlahnTrotz großer Eile beim Bauen wurde viel Wert auf den Bauschmuck gelegt. Die hofseitige Fassade des Prachtbaus zieren zwei Standerker, der Frauen- und der Herrenerker. Beide Erker werden von einem aufwendigen bildhauerischen Bildprogramm im Stil der Hochrenaissance geschmückt.

Im Erdgeschoss des Herrenerkers wird ein Tierfries gezeigt. In diesem sind unter anderem Hund und Katze, aber auch Affe, Löwe und Echsen zu sehen. Im ersten Obergeschoss findet sich der Herrenfries, er stellt ernestinische Landesherren mit Bezug zum Bauherrn dar. Die Darstellung von Ahnen und Verbündeten sollte den Herrschaftsanspruch Herzog Johann Friedrichs II. bekräftigen. Das zweite Obergeschoss wird von einem Vogelfries geschmückt.

Foto: Björn Chilian
Im Herrenfries werden Ahnen und Verbündete von Herzog Johann Friedrichs II. von Sachsen gezeigt.
Foto: Björn ChilianÜber die Jahrhunderte zehrte die Witterung am Erker und führte zu Absandungen, Rissen und Abschalungen am Naturstein. Der beim Bau des Herrenerkers genutzte Lettenkeuper- bzw. Schilfsandstein war bildhauerisch gut zu bearbeiten, er ist allerdings anfälliger für Witterungseinflüsse im Vergleich zu anderen Sandsteinarten. Bereits Ende der 1990er Jahre war eine umfassende Restaurierung nötig. Nun mussten erneut Schäden beseitigt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

Im Zuge der steinrestauratorischen Maßnahmen wurden die Oberflächen des Herrenerkers von Hand und maschinell gereinigt. Verkrustungen, Salzausblühungen und Verschmutzungen wurden entfernt.
Mit hoher künstlerischer Qualität wurden die Reliefplatten aus Sandstein ausgearbeitet.
Foto: Björn ChilianAlte Fugen- und Putzmörtel wurden abgenommen und der Naturstein wieder gefestigt. Auch Hohlstellen wurden neu hinterfüllt. Die Oberflächen wurden konservatorisch so bearbeitet, dass der Regen wieder vom Erker abperlen kann. Rund 700 laufende Meter Fugen wurden während der Arbeiten neu verfugt.

Während die Landesherren jetzt wieder flott gemacht sind, steht im kommenden Jahr das nächste Restaurierungsprojekt auf der Veste Heldburg an. Dann soll das Pendant des Herrenerkers in die Kur kommen, der Frauenerker.
Anke Pennekamp