Turmhaubensanierung auf der Burg Weißensee

Goldiger Abschluss

BaugeschehenDenkmalpflegeKulturgeschichteSonderinvestitionsprogramm I
Es ist ein kalter aber sonniger Tag Anfang März 2025. Im Hof herrscht reges Treiben. Es geht um Millionen, Goldmünzen, eine große goldene Kugel, generationenübergreifende Baugeschichte und auch Nina Hagen ist mit von der Partie. Aber die eigentliche Musik spielt 20 Meter über dem Burghof und das nicht nur heute, sondern schon seit rund einem Jahr.

Erst wird gerollt, dann gelötet – vor den Augen der Anwesenden, die lange auf diesen Moment gewartet haben, werden zwei prall gefüllte Kupferhülsen verschlossen. Auf ihnen ist sogar das Datum eingraviert. In die eine Hülse kehren die Millionen in den bereits auf einer Bank stehenden Turmknopf der Burghaube zurück. Gut in Luftpolsterfolie eingewickelt ist er frisch restauriert und gerade aus der Werkstatt zurück. Er wartet geduldig, während die neuen und alten Dokumente, die heute als Zeitzeugnisse in den Knopf für die nächsten Generationen zurückkehren, vorsichtig zusammengerollt und eingelegt werden. Vor rund acht Monaten war der Turmknopf im Rahmen der Sanierung der Turmhaube des Palas abgenommen worden. In einer Hülse in seinem Inneren tauchten Dokumente von 1868 bis 1982 auf, darunter Inflationsmillionen, Chroniken, Prospekte und auch eine Silbermedaille, geprägt anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Weißensee 1962. Während der Turmknopf restauriert wurde, wurden die Dokumente gesichtet und digitalisiert.

Auf der weinroten Samtdecke im Burghof liegen an diesem Tag auch ein paar neue Zeitzeugnisse bereit, darunter eine Zeitung, die an diesem Tag das Konterfei von Nina Hagen ziert. Auch eine fortgeschriebene Chronik darf nicht fehlen, hinzu kommen noch ein Schnitt der Haubenkonstruktion und zwei Fotos aus der Sanierungszeit. Und auch ein Schreiben der Stadt Weißensee, das der Bürgermeister höchstpersönlich mitgebracht hat, wird mit eingelegt. Burg und Stadtgeschichte sind untrennbar miteinander verbunden. Viele sind gekommen, um den Sanierungserfolg zu feiern, die Turmhaubensanierung ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Anlage, die vielen am Herzen liegt. Eine besondere Überraschung haben die Münzfreunde Weißensee in Petto. Sie haben einen Satz Goldmünzen dabei, darunter eine Sonderprägung mit der neuen Turmhaube.

Gut gefüllt und fest verlötet, werden die Dokumentenhülsen wieder in den Turmknopf eingelegt. Dann kehrt der Knopf an den höchsten Punkt der Burg zurück und nimmt seinen Platz auf dem Kaiserstiel wieder ein. Dafür war das Schutzdach über dem rund 30 Meter hohen Baugerüst am Palasturm rückgebaut worden.

Rund ein Jahr lang wurde die Turmhaube saniert. Dabei war das Ziel, so viel Substanz wie möglich von der historischen Holzkonstruktion zu erhalten, die noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. Nur schadhafte Teile wurden ausgetauscht. Dabei kamen auch historische Handwerkstechniken zum Einsatz. Nach der Sanierung des Dachstuhls folgte die Neueindeckung. Bei Wind und Wetter arbeiteten sich die Dachdecker dabei an dem 200 Quadratmeter großen geschwungenen Dach von unten nach oben vor und verarbeiteten dabei rund acht Tonnen Schiefer. Gearbeitet wurde nach dem Prinzip der Altdeutschen Deckung.

Zum Abschluss der Sanierung wurde die Haube neu gedeckt,
Foto: STSG, Tino Trautmann

Mit der Haubensanierung ist ein lang ersehntes Ziel erreicht. Der Turmschaft ist bereits seit einigen Jahren saniert, für die Haubensanierung reichten damals die finanziellen Mittel allerdings nicht mehr. Eine Noteindeckung aus Dachpappe und Planen schützte seither die historische Haubenkonstruktion und den Schaft vor eindringender Feuchtigkeit. Das von Bund und Land finanzierte Sonderinvestitionsprogramm I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten machte die Sanierung der Haube nun möglich. Rund eine Millionen Euro kostete das Baugeschehen in luftiger Höhe.

Blick in den historischen Dachstuhl der Turmhaube während der Sanierung, Foto: STSG, Thomas Müller

Mit dem Aufsetzen des Turmknopfs samt Wetterfahne ist die Haubensanierung nun abgeschlossen und die Freude groß. Aber die Bauarbeiten im SIP I auf der Burg Weißensee gehen noch weiter. Im Inneren des Palasturms wird noch eine Treppe bis direkt unter die Haube ergänzt, die Vorbereitungen dafür haben im letzten Jahr begonnen. In einem weiteren SIP-I-Projekt wird in der Burganlage ein rund 50 Meter langer Abschnitt der Ringmauer saniert. Dabei entsteht an der Stelle einer historischen Maueröffnung zudem ein zweiter Fluchtweg für die Burganlage. Auch dafür laufen die Bauarbeiten bereits seit letztem Jahr.

Hoch über der Burg dreht sich jetzt wieder die Wetterfahne im Wind. Regen und Witterung können Haube und Turm nun vorerst nichts mehr anhaben.

Anke Pennekamp


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