„Die Untersuchungen haben noch einmal unterstrichen, wie kurz die Flammen vor einem Übergreifen auf den Palasturm und die frisch sanierte Turmhaube standen. Es ging höchstens um Minuten. Die Einsatzkräfte haben ein bedeutendes gemeinsames Kulturerbe vor einem noch größeren Unglück bewahrt. Unser großer Dank gilt deshalb allen, die in der Brandnacht vor Ort waren und ein Übergreifen der Flammen verhinderten, aber auch allen, die sich danach engagiert haben“, sagte Dr. Doris Fischer bei einem Dankesfest für die Helferinnen und Helfer der Brandnacht im Juni 2026 auf der Burg Weißensee.
Die Brandnacht
Der Brand auf der Burg Weißensee brach in der Nacht zum 26. März in der Alten Küche am Rand der mittelalterlichen Burganlage aus. Den rund 70 Feuerwehrleuten von sieben herbeigerufenen Feuerwehren aus der Umgebung gelang es glücklicherweise ein Übergreifen des Brandes auf den benachbarten Palas mit Palasturm zu verhindern, ebenso auf das nördlich direkt angrenzende Wagenhaus. Unterstützt wurden die vom Landratsamt Sömmerda koordinierten Feuerwehren durch die Polizei, den Arbeiter-Samariter-Bund und das Deutsche Rote Kreuz. Die Alte Küche wurde durch die Flammen bis auf die Außenmauern zerstört.
Die Anfänge der Burg Weißensee, auch Runneburg genannt, reichen bis in die Romanik zurück. Die Landgräfin Jutta legte im 12. Jahrhundert den Grundstein für die mittelalterliche Burganlage auf halber Strecke zwischen den Landgrafensitzen Wartburg und der Neuenburg bei Freyburg. Palas und Palasturm stammen noch aus der Erbauungszeit der Burg. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss und zum Verwaltungssitz ausgebaut.
Luftaufnahme: Burg Weißensee vor dem Brand, Foto: STSG, Thomas MüllerZu den bedauerlichen Verlusten durch den Brand gehören auch einige Holzsärge der Familie der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt, die das Land Thüringen als Eigentümerin der Särge in der Alten Küche 2022 zwischengelagert hatte. Die Särge befanden sich zur Zeit des Feuers in einer Einhausung in dem historischen Gebäude, das bei dem Brand bis auf die Außenmauern zerstört wurde. Ursprünglich waren die Särge in der Gruft unter der Schlosskirche von Schloss Schwarzburg aufgestellt gewesen, von wo die Nationalsozialisten sie beim Umbau des Schlosses zum Reichsgästehaus 1940 abtransportiert hatten. Die zwischenzeitliche beengte Aufbewahrung in der Stadtkirche in Rudolstadt hatte sich zuletzt als nicht mehr haltbar erwiesen.
Schäden und Notsicherungen
Verursacht wurde das Feuer, wie die Polizei nach dem Brand ermittelte, durch einen technischen Defekt an einer Elektroleitung ausgelöst durch Nagetierverbiss. Direkt nach dem Feuer begannen die baulichen Untersuchungen und erste Sicherungen an der Brandstelle. Die Außenmauern der ausgebrannten Alten Küche wurden notgesichert und von verkohlten Teilen der Holzkonstruktion befreit. Die Beräumung des Brandschutts mit möglichen Resten der Särge erfolgt durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Foto STSG, Stefan Münch

Foto STSG, Tino Trautmann
Start der ersten Reparaturmaßnahmen am Palasturm
Der Palasturm, dessen Turmhaube erst kürzlich im Sonderinvestitionsprogramm I (SIP I) der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) saniert worden war, konnte vor dem Brand bewahrt werden, hat aber durch Glut und Flammen einige Schäden davongetragen. Wie die anschließenden Untersuchungen zeigten, hatte die Schalung der erst 2025 fertig sanierten Turmhaube bereits stellenweise Feuer gefangen. Für die Reparaturen muss ein Teil der Turmhaube noch einmal geöffnet werden. Am Turmmauerwerk sind außerdem statisch-konstruktive Maßnahmen notwendig, ein Teil der Natursteine muss ausgetauscht werden. Die Arbeiten dafür begannen im Juni 2026.


Bewegendes bürgerschaftliches Engagement
Viele Menschen bewegte der Brand auf der Burg Weißensee und bereits kurz nach dem Brand wurden private Spendeninitiativen ins Leben gerufen. Bei der Rückkehr der Helferinnen und Helfer der Brandnacht auf die Burg Weißensee im Juni 2026 wurden auch Spenden an die STSG übergeben, darunter eine große Spende über 12.380 Euro, die im Rahmen einer Spendeninitiative der Freiwilligen Feuerwehr Weißensee e.V. für die Burg Weißensee gesammelt wurde. „Die Anteilnahme und das große bürgerschaftliche Engagement nach dem Brand auf der Burg Weißensee haben uns sehr bewegt“, erklärt STSG-Direktorin Fischer. „Wir sind den Initiatoren der Spendenprojekte und allen Spenderinnen und Spendern ausgesprochen dankbar.“ Die Spenden kommen in Gänze der Sicherung der Alten Küche zu Gute.

Christian Tischner, Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur sagte im Vorfeld der Dankesveranstaltung: „Die Brandnacht hat zweifellos einen bedauerlichen Verlust an Kulturschätzen mit sich gebracht, es konnte aber auch ein bedeutendes Baudenkmal des Mittelalters in Thüringen gerettet werden. Das haben wir den vielen Einsatzkräften zu verdanken, die zum großen Teil ehrenamtlich für uns alle tätig sind. Die beeindruckende Bereitschaft zu Spenden für die Behebung der Brandschäden zeigt zudem, was die Burg den Menschen in Weißensee und der Region bedeutet.“