Auf dem Dach des Westflügels von Schloss Heidecksburg herrscht reges Treiben – die rund 300 Jahre alte Holzkonstruktion des Dachstuhls wird im Bestand saniert. Möglich macht das das Sonderinvestitionsprogramm I der STSG durch Mittel von Bund und Land. Während unter dem Schutzdach die Zimmerleute ans Werk gegangen sind, wird auch die Decke des Festsaals unter die Lupe genommen. Über zwei Geschosse reicht der Saal direkt bis unter das Dach.
Der beschwingte Festsaal von Schloss Heidecksburg entstand im 18. Jahrhundert und geht auf die Zeichenfeder des Rokoko-Baumeisters Gottfried Heinrich Krohne zurück.
Foto: STSG, Philipp HortWährend das wertvolle mobile Kunstgut im Festsaal und den angrenzenden Repräsentationsräumen im ersten Obergeschoss des Westflügels für die Zeit der Bauarbeiten bereits lange beräumt ist und sicher verwahrt wird, wird die raumfeste Innenausstattung während der Arbeiten im Dachgeschoss genau beobachtet. Malereien, Stuckmarmor – der Pfeiler und Wände mit einer Illusion von Marmor umhüllt – beschwingte Rokoko-Ornamente, Wappen und vergnügte Putti werden während der Bauzeit genau im Auge behalten. Dabei hilft ein Untersuchungsgerüst, das sich bis zur Festsaaldecke erstreckt.

Foto: STSG, André Kranert
Der Baustelle im Dachgeschoss besonders nah, liegt ein besonderer Fokus auf dem Deckenfresko mit Olymp und der detailreichen Stuckumrahmung. Beides wurde in den 1740er Jahren vom Stuckateur Giovanni Battista Pedrozzi und dem Maler Johann Lorenz Deisinger nach Plänen des Architekten Gottfried Heinrich Krohne geschaffen. Eine Kartierung soll bereits vorhandene Schäden erfassen und ermöglicht Rückschlüsse auf den Gesamtzustand. Sie erleichtert auch das Monitoring durch die Restauratoren.

Restaurator Dirk Knüpfer und Restauratorin Almuth Escher begutachten den Zustand der rund 280 Jahre alten Stuckaturen im Festsaal von Schloss Heidecksburg.
Foto: STSG, André KranertDer Zustand der Malschicht, Risse, lockere Stuckteile, Spuren früherer Restaurierungen wie alte Klebestellen und Retuschen werden begutachtet und Schäden präzise kartiert. Anhand der genauen Erfassung kann während der Sanierung am Dach schnell festgestellt werden, wenn zusätzliche Schäden auftreten und ein Eingreifen notwendig wird. Bei der Kartierung auf beengtem Raum hilft manchmal auch ein Perspektivwechsel, wie sich hinzulegen.

Rasterartig werden die Schäden zunächst auf Bildausschnitten von Hand erfasst und später digitalisiert.
Foto: STSG, André KranertBei der Kartierung sind besonderes Detailgespür und alle Sinne gefragt. Durch das leichte Anklopfen des Stucks wird die Festigkeit geprüft, ein „Knirschen“ gibt den Experten dabei Hinweise auf feine Haarrisse, die das bloße Auge nicht entdecken kann.

Aus Gips auf Drahtgestellen formten Stuckateur Pedrozzi und seine Helfer einst Blüten und die für den Rokoko typischen Muschelornamente, die Rocaille, im Festsaal. Auch Putti, kleine Drachen und Tiere wurden im Stuck vollplastisch modelliert.
Foto: STSG, André Kranert
Auch ältere Klebestellen entgehen den Restauratoren bei der Bestandsaufnahme nicht. Hier ist der Klebstoff etwas nachgedunkelt.
Foto: STSG, Anke PennekampZuletzt wurde der Festsaal samt Decke vor rund 35 Jahren restauriert. Zustand von Stuck und Malschicht wurden durch die Restauratoren jetzt noch einmal aufgenommen. Ältere Retuschen und Kittungen blieben den Profis dabei nicht verborgen. Über die Jahrzehnte kam auch der ein oder andere kleine Riss hinzu, insgesamt ist der Zustand im Olymp aber erfreulich gut.
Anke Pennekamp