Den Überblick behalten heißt es beim Sommerflor, denn in den Thüringer Schlossgärten und -parks ziehen im Juni tausende Sommerpflanzen ein. Gepflanzt wird nach Tradition und Pflanzplan. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt auch in den von Gehölzen geprägten Landschaftsgärten in Nähe der Schlösser wieder geometrisch gestaltete Schmuckbeete mit Blumen angelegt. Immer ornamentaler werdend, gipfelte der Trend später in der Teppichbeetgärtnerei. Den Übergang zwischen Blumengarten und Landschaftspark ebneten in den durchkomponierten Schlossgärten die sogenannten Pleasuregrounds. In ihnen finden sich Blühsträucher, vereinzelt auch weitere Blumenbeete und Ziergehölze, die einen sanften Übergang schaffen.



Noch heute werden im Schlosspark Altenstein oder in der Herzoglichen Orangerie Gotha die Schmuckbeete nach historischen Mustern bepflanzt. Und auch im rund 150 Jahre alten Blumengarten im Fürstlich Greizer Park wird mit Tradition gepflanzt. Rund 4.000 Pflanzen finden in den Schmuckbeeten im Park um das Sommerpalais und in der Blumenuhr ihren Platz. Im südlichen Bereich des Parks tummeln sich in farbenfrohen Formationen bis Herbst Begonien, Tagetes, Husarenknöpfe, Echeverien, Buntnesseln und viele andere Pflanzen.

In der Greizer Orangerie haben zudem auch Palmen, Stämmchen und Lorbeer dem jährlichen Sommerauftritt entgegengefiebert. Die frostempfindlichen Pflanzenschätze haben im Greizer Park ebenfalls Tradition. Während die Lorbeerbäume im Sommer das Palais flankieren, werden Palmen und Fuchsienstämmchen mit in die Beete eingelassen.
Frisch aus dem Winterquartier, müssen sich die Lorbeerbäume im Schatten zunächst akklimatisieren, bevor sie an repräsentativer Stelle vor dem Sommerpalais über den Sommer Spalier stehen.
Foto: STSG, Helmut WiegelGastspiel über dem Saaletal
In den Dornburger Schlossgärten ist die diesjährige Sommerbepflanzung dem Hofgärtner Karl August Christian Sckell gewidmet. Ab 1823 prägte er für mehr als ein halbes Jahrhundert die Dornburger Schlossgärten. Als Besonderheit gastiert in diesem Jahr in den Schmuckbeeten deshalb neben Tagetes, Ageratum und Cosmea, die Dahliensorte Conrad Sckell. Die rund 90 Zentimeter hohe rot-orange Sckell-Dahlie begeistert mit bis zu 15 Zentimeter großen Blüten.

Hofgärtner Sckell beschäftigte sich auch mit der Fuchsie, sie hat im Rundbeet am Renaissanceschloss ihren Auftritt. Insgesamt rund 5.800 Sommerblumen blühen in den kommenden Monaten in den Schmuckbeeten, Vasen und Schalen der verschiedenen Gartenareale der Dornburger Schlossgärten, durch die im 19. Jahrhundert auch Goethe in seinen späten Lebensjahren flanierte.
Nach Plan und gut sortiert werden in den Dornburger Schlossgärten die Blumenbeete bepflanzt.
Foto: STSG, Fanny RödenbeckHerzogliche Rabatten mit Geschichte
Zu den blühenden Schwergewichten gehört auch die Herzogliche Orangerie Gotha. Das Parkpflegeteam pflanzt in die Beete des großen barocken Parterres zwischen dem Orangen- und dem Lorbeerhaus in diesem Jahr insgesamt rund 15.000 Sommerblumen. 26 verschiedene Blumensorten, darunter Ziertabak, Männertreu, Leberbalsam, Studentenblume und Salbei lassen das Orangerieparterre erblühen. Ergänzt wird die aufwendige Schmuckpflanzung mit 128 Blumenstämmchen von Fuchsien, Bleiwurz und Enzianstrauch. Hinzu kommen viele Zitrus- und Lorbeerbäume in großen Holzkübeln.

Dem Zeitgeschmack folgend zogen im 19. Jahrhundert Blumenbeete und Rabatten auch in der Herzoglichen Orangerie Gotha ein.
Abbildung: Sommerbepflanzung in der Herzoglichen Orangerie Gotha 2026, Foto: STSG, Jens Scheffler
Blumen als Medienstars – Einen Blick hinter die Kulissen des Sommerflors gab das Parkpflegeteam der STSG 2026 für das Fernsehen.
Foto: STSG, Jens SchefflerDie aufwendigen Blumenpflanzungen gibt es in der Orangerie seit 1830, als auf Geheiß des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha die ersten Schmuckbeete im Orangeriegarten angelegt wurden. Ernst I. war ein begeisterter Garten- und Blumenliebhaber. Seine große Leidenschaft für Botanik prägte die Residenzen des Doppelherzogtums nachhaltig. Nicht nur die Rosenau bei Coburg, sondern auch die herzoglichen Anlagen in Reinhardsbrunn, Molsdorf und Gotha profitierten davon.
Mehr zur Gartenleidenschaft Ernst I. können Besucher in der aktuellen Ausstellung „Zitrus, Kamelien, Ananas – Orangeriekultur im Herzogtum Sachsen-Corburg und Gotha“ erfahren, die bis zum 13. September 2026 im Orangenhaus in Gotha gezeigt wird (geöffnet Fr/Sa/So 14 bis 18 Uhr).
Foto: STSG, Jens SchefflerPflanzkunst aus dem 19. Jahrhundert
Nicht weniger bunt, wenn auch eher durch Blätter statt Blüten, geht es im Schlosspark Altenstein zu. Fast 10.000 Pflanzen werden durch das Parkpflegeteam innerhalb weniger Tage in die Schmuckbeete gepflanzt, darunter Iresinen, Alternanthera, Echeverien und Palmen. Allein im bekannten Teppichbeet am Schloss finden 7.000 Pflanzen ihren Platz.

Über den Sommer wachsen die Dickblattgewächse im Schmuckbeet an der Altensteiner Sommerresidenz zum dichten Teppich zusammen.
Foto: STSG, Margret MostDas Teppichbeet wird jeden Sommer mit einem anderen historisch belegten Motiv bepflanzt. Um 1900 wurde das Beet häufig auf Postkarten abgebildet, die heute als Vorbild dienen. Die farbige Gestaltung des Teppichbeets beruht ausschließlich auf unterschiedlichen Blattfärbungen, Blüten kommen hier nicht zum Einsatz. In diesem Jahr zeigt das Beet das Wappen und die Initialen Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen anlässlich seines 200. Geburtstags.