Gartenkunstwerke sind nicht in Stein gemeißelt, sie wachsen und können nur durch kontinuierliche Pflege erhalten werden. Passiert das nicht, dann überwuchern Wege, Sichtachsen sind Geschichte und Schatzkammern der Artenvielfalt gehen ein. Thüringen ist nicht nur reich an Residenzen, sondern auch an epochenübergreifenden Gartenkunstwerken.

Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn
Zwölf historische Garten- und Parkanlagen befinden sich in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG). Das Zepter beim Erhalt der Gartendenkmale halten heute Gartenreferenten, Parkverwalter und Gartenmeister in der Hand, unterstützt werden sie durch Parkpflege- und Gartenteams. Und das Aufgabenfeld ist groß – von der Zierpflanzengärtnerei über die Zitruspflanzenpflege, die Grünpflege bis hin zur Arbeit an Bäumen – beim Erhalt der historischen Parks und Gärten ist vielfältige Expertise gefragt. Noch heute werden in den grünen Schatzkammern seltene Pflanzenschätze bewahrt, aber auch gefährdete Insekten wie beispielsweise der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, eine geschützte Falterart, und auch Käuzchen, Spechte und Seefrösche finden auf den Wiesen, in den Seen oder in Hecken ein Zuhause.

Bei aller Tradition gibt es ab diesem Jahr allerdings eine weitreichende Neuerung in den Gärten der STSG – ab 2026 bildet die Stiftung auch aus, wie bereits viele andere deutsche Schlösserverwaltungen. Wo einst Goethe Flora und Faune studierte, wird ab September in den Dornburger Schlossgärten erstmalig eine Ausbildung zum Schlossgärtner/Schlossgärtnerin für Garten und Landschaftsbau angeboten. Die dreijährige Ausbildung bietet vielfältige praktische Einblicke in die historische und moderne Gartenpflege. Neubauspezifische Fertig- und Fähigkeiten kommen aber auch nicht zu kurz, sie werden in Kooperation mit einer Fachfirma im Garten- und Landschaftsbau vermittelt.

Foto: Schatzkammer Thüringen Marcus Glahn
Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach ließ die drei Dornburger Schlösser im 19. Jahrhundert durch die Schlossgärten zu einem Ensemble verbinden. Schmuckbeete, Kräuterbeete oder auch ein kleiner Weinberg werden hier gepflegt. Bekannt sind die Dornburger Schlösser aber auch für ihre Rosengärten. Mehr als 1.000 Rosen vieler unterschiedlicher Sorten und Wuchsformen schmücken die Laubengänge und Schlossterrassen über dem Saaletal.
Im Sommer wird in den Dornburger Schlossgärten regelmäßig ausgeputzt. Im Zuge der Rosenpflege müssen verwelkte Blüten aus den Rosenstöcken entfernt werden. Auch das Rosenlaub behalten die Schlossgärterinnen und -gärtner genau im Auge. Nur so können sie rechtzeitig Mehltau, Rosenrost, Sternrußtau und weitere Blattpilze erkennen und handeln. Da Rosen ihren Freiraum lieben, steht auch regelmäßig Jäten auf dem Plan, denn zu stark von Unkraut oder Begleitstauden eingewachsen, fängt die Königin der Blumen an zu verkümmern.
Foto: STSG, Frank Bergmann
Ganze Kilometer an Wegen ziehen sich in sanften Schwüngen durch die historischen Landschaftsgärten der STSG. Damit sie nicht überwuchern, ausgeschwemmt werden und eben bleiben, müssen sie regelmäßig gepflegt werden. Technisch und von Hand wird deshalb mit Stahlborsten geschleppt und dann von Hand geharkt, glattgezogen und gereinigt. So bleibt die leicht gewölbte Tragschicht geschützt und wasserdurchlässig, sodass sich keine Angriffspunkte für Wasser und Frost bilden.
Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus GlahnMalerische Gartenkunstwerke
Die wohldurchdachten Kompositionen der historischen Gartenbilder und Szenerien leben von den Feinheiten – Blattformen und Farben, Rindenbeschaffenheit und Wuchsformen von Pflanzen und Gehölzen wurden einst bewusst für die Gartenkunstwerke ausgewählt. Die Parks und Gärten wurden aber auch zu kleinen Wunderkammern an frischer Luft. Im Fürstlich Greizer Park findet sich noch heute ein Pinetum, eine Sammlung seltener Nagelgehölze. Die Fürsten von Reuß ließen es Ende des 18. Jahrhunderts anlegen.

Besonders wertvoll waren auch die an den Höfen gehegten Zitruspflanzensammlungen. Bis heute wird unter anderem im Herzoglichen Park Gotha die Orangeriekultur gepflegt. Im Sommer schmücken neben bis zu 28.000 Sommerblumen rund 400 Kübelpflanzen – darunter Lorbeer, Zitrus und Palmen – das Parterre der Herzoglichen Orangerie. Überwintert wird die besondere Sammlung frostempfindlicher Zitrusgewächse noch heute in den Orangeriegebäuden aus dem 18. Jahrhundert. Auch Kamelien und Ananas haben in Gotha Tradition und sind hier heute wieder zu finden.

Altgediegen ist aber auch die Pflege, die den Erhalt der wertvollen Sammlung ermöglicht, wenn auch dabei heute das eine oder andere moderne Hilfsmittel zum Einsatz kommt. Nach den Eisheiligen werden die Pflanzenkübel beispielsweise heute nicht mehr von Hand mithilfe von Tragestangen ins Parterre getragen, sondern mit dem Radlader ins Freie bugsiert. Die Pflege der kälteempfindlichen Zitrusgewächse machte schon damals den hohen Repräsentationswert der Pflanzensammlungen aus.

Foto: STSG, Toni Kepper
Zu den besonders schmuckvollen historischen Gartenkunstgriffen gehört auch die Teppichbeetgärtnerei, die im 19. Jahrhundert besonders en vogue war. Nicht nur Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen war Fan der Schmuckbeetkultur auf höchstem Niveau. Im Umfeld des Herzoglichen Sommerschlosses auf dem Altenstein ließ der Herzog ein Teppichbeet anlegen. Seit über 20 Jahren wird es durch eine Zierpflanzengärtnerin im Frühjahr und Sommer wieder mit wechselndem Flor nach historischen Motiven bepflanzt. Dabei werden tausende bunte Dickblattgewächse in Form gepflanzt. Bereits in der Saison davor beginnen die Vorbereitungen, das Muster wird erstellt und über den Winter auch die raren Teppichbeetpflanzen gezogen, seit 2025 auch im eigenen Gewächshaus.
Und auch die in den Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts beliebten Seen brauchen Pflege, um sie vor dem Verlanden zu bewahren. Jüngst wurden aufwendige Gewässersanierungen in Greiz und Molsdorf abgeschlossen.


Schlossgärtner und Schlossgärtnerinnen, aber auch Parkverwalter und Parkverwalterinnen werden immer wieder bei der STSG gesucht, hier geht’s zu den Stellenausschreibungen.
Ausstellungstipp
Von Mai bis zum 13. September 2026 ist in der Herzoglichen Orangerie Gotha die Ausstellung „Zitrus, Kamelien, Ananas. Orangeriekultur im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha“ zur Orangeriekultur zu sehen.
Grafik: STSGMehr zur Ausstellung hier.