Des Herzogs Kachelkamin wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Vestibül der frisch umgebauten Sommerresidenz auf dem Altenstein errichtet. Geordert wurde er damals in herrschaftlichem Auftrag bei der Kunsttöpferei & Ofenfabrik Hausleiter & Eisenbeis in Frankfurt am Main.

Die Reliefs der glasierten Kacheln zeigen unterschiedliche figürliche und ornamentale Motive: Die Feuerstelle wird von Hermen flankiert, unter dem Kamintisch halten Putti im Fries Muscheln. Auch der Aufsatz ist reich geschmückt, unter anderem mit weiteren Putti und Muschelornamenten.
Über Jahrzehnte gehörte der Prachtkamin zur festen Ausstattung von Schloss Altenstein. Einige Zeit nach dem Tod Georgs II., vermutlich in den 1940er Jahren, wurde er abgerissen und als Bauschutt zur Verfüllung der Zisterne hinter dem Schloss verwendet. Dort wurden später Fragmente der Kaminkacheln von den Professores Renate und Kurt Hofmann wiederentdeckt. In den 1990er Jahren gelang dem stets um Schloss Altenstein engagierten Ehepaar, in Schutthaufen um die Zisterne und auf der oberen Gartenterrasse über 450 Bruchstücke der Kaminkacheln aufzuspüren und wieder zusammenzusetzen. Auch der Geschichte des Kamins gingen sie nach.

Foto: STSG, Jeannette Cott
Dank großzügiger Spenden von Privatpersonen von rund 20.000 Euro und einer Spende des Fördervereins Altenstein e.V. zusammen mit der Sparkassenstiftung der Wartburg-Region von 12.000 Euro konnte der Kachelkamin jetzt wiederhergestellt werden. Und das hat für Schloss Altenstein besondere Bedeutung, denn das Sommerschloss brannte 1982 aus. Ein Großteil der Schlossausstattung ging dabei verloren. Der zurückgewonnene Kamin vermittelt einen Eindruck der einst mit Bedacht ausgewählten Ausstattung, der, wie Briefe und Archivalien belegen, Herzog Georg II. seinerzeit große Aufmerksamkeit schenkte.
Vom Modell bis zur glasierten Kachel
Die Wiederherstellung des Kachelkamins erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst wurden in der Werkstatt Modelle der unterschiedlich gestalteten Kacheln geformt.

Zu den aufwendigsten Kacheln des Altensteiner Prunkkamins gehören die Hermen, Männer- und Frauenfiguren, die die Feuerstelle des Kamins flankieren und ein Gebälk mit ihren Köpfen tragen.
Foto: Veiko MingeAnhand der Modelle wurden dann die Keramik-Rohlinge hergestellt, die sogenannte Schrühware. Mit dem ersten Brand, dem namensgebenden Schrühbrand, wird dem geformten und bereits getrockneten Ton weitere Feuchtigkeit entzogen. Die Rohlinge wurden damit auf die Glasur vorbereitet.

Im nächsten Arbeitsschritt kam Farbe ins Spiel. Die Glasur sollte den mineralischen Ton wie bereits im 19. Jahrhundert erstrahlen lassen. Dafür wurden zunächst Rezept und Farbmischung in einer auf besondere keramische Erzeugnisse spezialisierten Firma in Velten erprobt, eine Prozedur, die Fingerspitzengefühl erfordert.
Die wiederhergestellten Kacheln sind in leuchtenden Grün-, Braun-, Blau-, und Rotnuancen gefasst.
Foto: STSG, Uta KolanoVor Ort folgte abschließend die finale Maßarbeit. Zunächst wurde ein Fundament hergestellt, dann wurden der Corpus des Kamins durch den Ofenbauer neu aufgebaut und die Schmuckkacheln angebracht.




2027 soll Schloss Altenstein wieder seine Türen für Besucherinnen und Besucher öffnen. Derzeit wird die Sommerresidenz Georgs II. im Sonderinvestitionsprogramm I der STSG, gefördert durch Bund und Land, saniert. Im Zuge der Bauarbeiten wird die Innensanierung des Schlosses abgeschlossen. Im Vestibül wird dann dank bürgerschaftlichen Engagements auch der Kachelkamin wieder seine Wirkung entfalten und die Gäste des Altenstein, wie schon zu herzoglichen Zeiten, wieder begeistern können.
Anke Pennekamp