Im Schlosspark Altenstein wird jetzt überwintert

Winteroase in Eigenregie

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Zwei kleine Gewächshäuser bewirken großes im Schlosspark Altenstein. In ihnen überwintern seit diesem Jahr hunderte Zier- und Kübelpflanzen, die im Sommer eine Hauptrolle im Gartenkunstwerk des Theaterherzogs spielen. Ein wichtiger Schritt für die Pflege und den Erhalt der hohen Qualität des 160 Hektar großen Landschaftsparks mit schmuckreichem Innenpark.

Jedes Jahr tummeln sich im Teppichbeet und im Knotenbeet auf den Terrassen um Schloss Altenstein tausende kleine Sukkulenten und weitere Blattgewächse. In Mustern gepflanzt, wächst ihr Blätterwerk mit entsprechender Pflege zum dichten Teppich zusammen. Schon vor rund 130 Jahren wurde die Teppichbeetgärtnerei auf dem Altenstein betrieben.

Schloss und Park Altenstein, Foto: STSG, Toni Kepper

Was im Sommer die Flaneure im Schlosspark in ihren Bann zieht, benötigt im Winter allerdings entsprechende Vorbereitung. Denn die Teppichbeetpflanzen sind in der heutigen Zeit beinahe so rar zu finden wie die historische Schmuckbeetform selbst. Vor dem ersten Frost werden die kleinen kälteempfindlichen Raritäten abgeräumt. Ein Großteil wird überwintert. Lange konnte dies in externen Gärtnereien geschehen, Energie- und Platzbedarf wurden für die kleinen Betriebe jedoch zu unwirtschaftlich.

Überwintern im Gartenparadies

Abhilfe schaffen jetzt zwei Foliengewächshäuser und das mit historischer Tradition. Bis in die Nachkriegszeit gab es im Schlosspark Altenstein eine eigene Gärtnerei mit Gewächshäusern und weiteren Gebäuden zur Anzucht und Überwinterung der Parkpflanzen. In den 1970er Jahren wurden die Gebäude abgerissen. In Systembauweise konnten nun am historischen Standort die beiden neuen Gewächshäuser errichtet werden.

Neue Gewächshäuser am historischen Standort im Schlosspark Altenstein, Foto: STSG, Toni Kepper

Mit Heizung, Strom und Wasser ausgestattet, bieten die beiden Doppelfoliengewächshäuser rund 300 Quadratmeter Platz und zwei verschiedene Temperaturbereiche zur Überwinterung. Bereits erprobt und bewährt haben sich die Bauten bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Herzoglichen Park Gotha und dem Fürstlich Greizer Park. Die neuen Kältehäuser sind robust und durch den Einsatz von Doppelfolien sparsamer im Betrieb. Durch das Aufpumpen des Dachs mit Luft wird eine Dämmschicht erzeugt.

Pflanzenpflege in der eigenen Hand

Mit den neuen Gewächshäusern kann die Überwinterung des frostempfindlichen Pflanzenbestandes jetzt in Eigenregie erfolgen, wie schon vor rund 130 Jahren. Das bringt nicht nur Vorteile in der Bewirtschaftung der Parkanlage durch kürzere Transportwege mit sich, sondern auch mehr Unabhängigkeit in der Pflege des Pflanzenbestandes. Gießen, Temperaturüberwachung und Lüftung liegen jetzt auch bei der Überwinterung in der eigenen Hand.

Blick in eines von zwei neuen Gewächshäusern im Schlosspark Altenstein, Foto: STSG, Toni Kepper

Von der Sukkulente bis zur Zitruspflanze

Neben bis zu 4000 Teppichbeetpflanzen bieten die Foliengewächshäuser auch Überwinterungsmöglichkeit für den Orangeriepflanzenbestand auf Schloss Altenstein – von der Palme über Oleander bis zu Agaphantus finden rund 120 große und kleine Kübelpflanzen dort Platz. Im Sommer schmücken die Orangeriepflanzen den Innenpark um das Hofmarschallamt und flankieren das Teppichbeet.

Hofmarschallamt mit Orangeriepflanzen und Schmuckbeet im Sommer,
Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

Genutzt werden die Gewächshäuser auch zur Überwinterung eines Teils des Pflanzenbestandes von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, einer ehemaligen Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen. Auch hier schmückten schon zu landgräflichen Zeiten zahlreiche Kübelpflanzen den Terrassengarten, der zu den wenigen heute noch erlebbaren Zeugnissen der Renaissancegartenkunst zählt.

So kommt in den neuen Gewächshäusern auf dem Altenstein nicht nur Garten- sondern auch dynastieübergreifende Residenzkultur zusammen.

Anke Pennekamp

Mehr zur Gartendenkmalpflege in Eigenregie gibt es hier zu lesen.


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