Jedes Jahr tummeln sich im Teppichbeet und im Knotenbeet auf den Terrassen um Schloss Altenstein tausende kleine Sukkulenten und weitere Blattgewächse. In Mustern gepflanzt, wächst ihr Blätterwerk mit entsprechender Pflege zum dichten Teppich zusammen. Schon vor rund 130 Jahren wurde die Teppichbeetgärtnerei auf dem Altenstein betrieben.

Seit über 20 Jahren wird das historische Teppichbeet nach historischen Vorlagen mit Wechselflor im Schlosspark Altenstein wieder bepflanzt. Es gibt eine Frühjahrs- und Sommerbepflanzung, die von einer versierten Zierpflanzengärtnerin geplant und ausgeführt wird.
Was im Sommer die Flaneure im Schlosspark in ihren Bann zieht, benötigt im Winter allerdings entsprechende Vorbereitung. Denn die Teppichbeetpflanzen sind in der heutigen Zeit beinahe so rar zu finden wie die historische Schmuckbeetform selbst. Vor dem ersten Frost werden die kleinen kälteempfindlichen Raritäten abgeräumt. Ein Großteil wird überwintert. Lange konnte dies in externen Gärtnereien geschehen, Energie- und Platzbedarf wurden für die kleinen Betriebe jedoch zu unwirtschaftlich.
Überwintern im Gartenparadies
Abhilfe schaffen jetzt zwei Foliengewächshäuser und das mit historischer Tradition. Bis in die Nachkriegszeit gab es im Schlosspark Altenstein eine eigene Gärtnerei mit Gewächshäusern und weiteren Gebäuden zur Anzucht und Überwinterung der Parkpflanzen. In den 1970er Jahren wurden die Gebäude abgerissen. In Systembauweise konnten nun am historischen Standort die beiden neuen Gewächshäuser errichtet werden.

Mit Heizung, Strom und Wasser ausgestattet, bieten die beiden Doppelfoliengewächshäuser rund 300 Quadratmeter Platz und zwei verschiedene Temperaturbereiche zur Überwinterung. Bereits erprobt und bewährt haben sich die Bauten bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Herzoglichen Park Gotha und dem Fürstlich Greizer Park. Die neuen Kältehäuser sind robust und durch den Einsatz von Doppelfolien sparsamer im Betrieb. Durch das Aufpumpen des Dachs mit Luft wird eine Dämmschicht erzeugt.
Pflanzenpflege in der eigenen Hand
Mit den neuen Gewächshäusern kann die Überwinterung des frostempfindlichen Pflanzenbestandes jetzt in Eigenregie erfolgen, wie schon vor rund 130 Jahren. Das bringt nicht nur Vorteile in der Bewirtschaftung der Parkanlage durch kürzere Transportwege mit sich, sondern auch mehr Unabhängigkeit in der Pflege des Pflanzenbestandes. Gießen, Temperaturüberwachung und Lüftung liegen jetzt auch bei der Überwinterung in der eigenen Hand.

Im Sommer schmücken unter anderem Alternantheren, Iresinen, Echeverien, Coleus und Pelargonien das Teppichbeet. Charakteristisch bilden nicht Blüten, sondern verschiedenfarbige Blätter den Flor der historischen Teppichbeete.
Foto: STSG, Toni KepperVon der Sukkulente bis zur Zitruspflanze
Neben bis zu 4000 Teppichbeetpflanzen bieten die Foliengewächshäuser auch Überwinterungsmöglichkeit für den Orangeriepflanzenbestand auf Schloss Altenstein – von der Palme über Oleander bis zu Agaphantus finden rund 120 große und kleine Kübelpflanzen dort Platz. Im Sommer schmücken die Orangeriepflanzen den Innenpark um das Hofmarschallamt und flankieren das Teppichbeet.

Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn
An den Höfen zählten die Orangeriepflanzensammlungen zu den repräsentativen Kostbarkeiten. Das lag auch an der besonderen Pflege, die die kälteempfindlichen Pflanzenschätze zum Gedeihen benötigen. In eigens angelegten Orangerien wie im Herzoglichen Park Gotha wurden sie umsorgt und in speziellen Pflanzenhäusern überwintert.
Abbildung: Herzogliche Orangerie Gotha, Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus GlahnGenutzt werden die Gewächshäuser auch zur Überwinterung eines Teils des Pflanzenbestandes von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, einer ehemaligen Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen. Auch hier schmückten schon zu landgräflichen Zeiten zahlreiche Kübelpflanzen den Terrassengarten, der zu den wenigen heute noch erlebbaren Zeugnissen der Renaissancegartenkunst zählt.
So kommt in den neuen Gewächshäusern auf dem Altenstein nicht nur Garten- sondern auch dynastieübergreifende Residenzkultur zusammen.
Anke Pennekamp
Reizvoller Landschaftspark – Der Schlosspark Altenstein wurde um 1800 unter Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen um seine barocke Sommerresidenz auf dem Altenstein angelegt. Dabei wurde die natürliche Landschaft mit vielen Felsnadeln in die Parkgestaltung einbezogen und zahlreiche kleine Parkarchitekturen auf diesen errichtet. Im Zuge eines Schlossumbaus ließ Georgs Enkel Georg II. im 19. Jahrhundert den Innenpark um das Sommerschloss noch einmal umgestalten. In diesem Zuge wurden die Schmuckbeete um das Schloss und eine ganze Reihe Freiplastiken mit Antikenbezügen ergänzt.
Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus GlahnMehr zur Gartendenkmalpflege in Eigenregie gibt es hier zu lesen.