Das Aussterben der Grafen von Henneberg führte 1583 dazu, dass die vorher geteilte Herrschaft Schmalkalden gänzlich an die Landgrafen von Hessen-Kassel fiel. Landgraf Wilhelm IV. fackelte nicht lange und ließ zwischen 1585 und 1590 anstelle einer früheren Burganlage Schloss Wilhelmsburg errichten.

Foto: STSG, Thomas Müller
1360 erwarben die Landgrafen von Hessen-Kassel und die Grafen von Henneberg-Schleusingen je zur Hälfte die Herrschaft Schmalkalden. Nach dem Aussterben der Grafen von Henneberg 1583 war Schmalkalden allein in hessischer Hand.
Abbildung: Bildnis von Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel im Festsaal von Schloss Wilhelmsburg, Foto: Bildarchiv Foto MarburgKunst bis unters Dach
Die moderne vierflügelige Anlage wurde mit repräsentativen Gemächern und einer Schlosskapelle mit einem der ersten Orgel-Kanzel-Altäre ausgestattet. Über die Zeit aus dem landgräflichen Fokus gerückt, entging das Schloss größeren Umbauprojekten und Modernisierungen. Deshalb ist nicht nur viel historische Bausubstanz erhalten, im Schloss hat auch ein reicher Schatz an Wandmalereien überdauert, die vom Ende des 16. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert entstanden.
Während an den Türen des Festsaals die Hellebardiere wachen, haben hoch oben am Südflügeldach die Handwerker den Dienst aufgenommen.
Foto: STSG, Constantin BeyerIm SIP I wird mit der Dachsanierung am Südflügel ein großer Meilenstein für den Erhalt des Schlosses erreicht – der Abschluss der Schlossdachsanierung insgesamt. Und das ist nicht nur wichtig zum Schutz der historischen Baukonstruktion, marode Dächer gefährden auch wertvolle Raumausstattungen – und auf Schloss Wilhelmsburg reichen diese bis unters Dach.
Bis 2010 wurden auf Schloss Wilhelmsburg zunächst das östliche Schlossdach, dann die Dächer von Nord- und Westflügel saniert. Im SIP I wird ab 2026 die Dachsanierung am Südflügel fortgesetzt.
Foto: STSG, Thomas MüllerBis 1820 besaß das Schloss ein repräsentativ ausgestattetes zweites Obergeschoss mit acht Gemächern, das durch den Abtrag schadhafter Zwerchhäuser dann verkleinert wurde. Abseits der Aufmerksamkeit blieben im Dachgeschoss noch Malereien aus der Erbauungszeit des Schlosses mit der originalen Malschicht ohne spätere Überarbeitungen und Restaurierungen erhalten – ein wahrer Schatz, an dem die Zeit und raumklimatische Schwankungen allerdings ihre Spuren hinterlassen haben.

Foto: Büro Weinberg – Junker
Eine UV-Aufnahme, die in Vorbereitung der Sicherung der Wandmalereien im Nordflügeldach 2016/2017 entstand, veranschaulicht den Detailreichtum der erhaltenen Wandmalereifragmente im Dachgeschoss. Über dem Türsturz sind im UV-Licht die fein gemalten Gesichtszüge eines Kopfes mit Renaissancekragen gut zu erkennen. Das Bleiweiß der Malerei tritt durch die Fluoreszenz deutlich hervor.
Foto: Büro Weinberg – JunkerDachsanierung am Südflügel
Saniert wird das Dach des Südflügels bis 2029 in zwei Abschnitten. Zunächst kommt der östliche Teil der Dachkonstruktion in die Kur, dann der westliche. Gearbeitet wird in luftiger Höhe unter dem Schutzdach. Nach der Abnahme der Dachziegel wird zunächst dekontaminiert. Dann gehen die Zimmerleute ans Werk. Der historische Dachstuhl, Zwerchhäuser und Deckenbalken werden im Bestand saniert.

Auch die historischen Wandmalereien wie gemalte ornamentale Türrahmungen im Dach des Südflügels werden im Zuge des Projektes konserviert und zukünftig durch umgebende Lehmwände vor Temperatur- und Feuchteschwankungen geschützt. Die wertvollen Malereibefunde im Ost-, Nord- und Westflügeldach wurden bereits bei den früheren Sanierungsabschnitten an den Schlossdächern gesichert.
Anke Pennekamp