Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden

Schätze auf dem Dachboden

AllgemeinBaugeschehenDenkmalpflegeSonderinvestitionsprogramm I
Ein hessisches Schlossdach wird jetzt in Thüringen saniert. Es gehört zu einem der schönsten Renaissanceschlösser in Mitteldeutschland – Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Nebenresidenz in einem Rutsch über gut fünf Jahre vom Landgrafen von Hessen-Kassel errichtet. Im Sonderinvestitionsprogramm I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wird das Dach des Südflügels saniert. Mit den Baumaßnahmen kommt auch ein ganz besonderer Schatz wieder ans Licht – zahlreiche Wandmalereifragmente im Dachgeschoss, die noch aus der Erbauungszeit des Schlosses stammen und ebenfalls gesichert werden.

Das Aussterben der Grafen von Henneberg führte 1583 dazu, dass die vorher geteilte Herrschaft Schmalkalden gänzlich an die Landgrafen von Hessen-Kassel fiel. Landgraf Wilhelm IV. fackelte nicht lange und ließ zwischen 1585 und 1590 anstelle einer früheren Burganlage Schloss Wilhelmsburg errichten.

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden mit eingerüstetem Südflügel,
Foto: STSG, Thomas Müller

Kunst bis unters Dach

Die moderne vierflügelige Anlage wurde mit repräsentativen Gemächern und einer Schlosskapelle mit einem der ersten Orgel-Kanzel-Altäre ausgestattet. Über die Zeit aus dem landgräflichen Fokus gerückt, entging das Schloss größeren Umbauprojekten und Modernisierungen. Deshalb ist nicht nur viel historische Bausubstanz erhalten, im Schloss hat auch ein reicher Schatz an Wandmalereien überdauert, die vom Ende des 16. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert entstanden.

Im SIP I wird mit der Dachsanierung am Südflügel ein großer Meilenstein für den Erhalt des Schlosses erreicht – der Abschluss der Schlossdachsanierung insgesamt. Und das ist nicht nur wichtig zum Schutz der historischen Baukonstruktion, marode Dächer gefährden auch wertvolle Raumausstattungen – und auf Schloss Wilhelmsburg reichen diese bis unters Dach.

Bis 1820 besaß das Schloss ein repräsentativ ausgestattetes zweites Obergeschoss mit acht Gemächern, das durch den Abtrag schadhafter Zwerchhäuser dann verkleinert wurde. Abseits der Aufmerksamkeit blieben im Dachgeschoss noch Malereien aus der Erbauungszeit des Schlosses mit der originalen Malschicht ohne spätere Überarbeitungen und Restaurierungen erhalten – ein wahrer Schatz, an dem die Zeit und raumklimatische Schwankungen allerdings ihre Spuren hinterlassen haben.


 

Konservierte Wandmalerei im Dachgeschoss des Nordflügels,
Foto: Büro Weinberg – Junker

Dachsanierung am Südflügel

Saniert wird das Dach des Südflügels bis 2029 in zwei Abschnitten. Zunächst kommt der östliche Teil der Dachkonstruktion in die Kur, dann der westliche. Gearbeitet wird in luftiger Höhe unter dem Schutzdach. Nach der Abnahme der Dachziegel wird zunächst dekontaminiert. Dann gehen die Zimmerleute ans Werk. Der historische Dachstuhl, Zwerchhäuser und Deckenbalken werden im Bestand saniert.

Unter dem Schutzdach hat am Südflügel von Schloss Wilhelmsburg die Dachsanierung gestartet, Foto: STSG, Uta Kolano

Auch die historischen Wandmalereien wie gemalte ornamentale Türrahmungen im Dach des Südflügels werden im Zuge des Projektes konserviert und zukünftig durch umgebende Lehmwände vor Temperatur- und Feuchteschwankungen geschützt. Die wertvollen Malereibefunde im Ost-, Nord- und Westflügeldach wurden bereits bei den früheren Sanierungsabschnitten an den Schlossdächern gesichert.   

Anke Pennekamp


Fragen oder Feedback? Schreiben Sie uns.


Verwandte Artikel