Restauratorische Untersuchungen im Festsaal von Schloss Heidecksburg

Mit den Göttern auf Tuchfühlung

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Jupiter, Apoll, Juno, Minerva, Neptun, Mars, Merkur – an der Decke des Festsaals von Schloss Heidecksburg tummelt sich das „Who's Who“ des Olymp auf Wolken. Das am Götterhimmel auch alles seine Ordnung hat, wurde jetzt von Experten überprüft. Die Restauratoren begutachteten Malschicht und Stuck für eine Schadkartierung.

Auf dem Dach des Westflügels von Schloss Heidecksburg herrscht reges Treiben – die rund 300 Jahre alte Holzkonstruktion des Dachstuhls wird im Bestand saniert. Möglich macht das das Sonderinvestitionsprogramm I der STSG durch Mittel von Bund und Land. Während unter dem Schutzdach die Zimmerleute ans Werk gegangen sind, wird auch die Decke des Festsaals unter die Lupe genommen. Über zwei Geschosse reicht der Saal direkt bis unter das Dach.

Während das wertvolle mobile Kunstgut im Festsaal und den angrenzenden Repräsentationsräumen im ersten Obergeschoss des Westflügels für die Zeit der Bauarbeiten bereits lange beräumt ist und sicher verwahrt wird, wird die raumfeste Innenausstattung während der Arbeiten im Dachgeschoss genau beobachtet. Malereien, Stuckmarmor – der Pfeiler und Wände mit einer Illusion von Marmor umhüllt – beschwingte Rokoko-Ornamente, Wappen und vergnügte Putti werden während der Bauzeit genau im Auge behalten. Dabei hilft ein Untersuchungsgerüst, das sich bis zur Festsaaldecke erstreckt.

Festsaal im Residenzschloss Heidecksburg mit Untersuchungsgerüst,
Foto: STSG, André Kranert

Der Baustelle im Dachgeschoss besonders nah, liegt ein besonderer Fokus auf dem Deckenfresko mit Olymp und der detailreichen Stuckumrahmung. Beides wurde in den 1740er Jahren vom Stuckateur Giovanni Battista Pedrozzi und dem Maler Johann Lorenz Deisinger nach Plänen des Architekten Gottfried Heinrich Krohne geschaffen. Eine Kartierung soll bereits vorhandene Schäden erfassen und ermöglicht Rückschlüsse auf den Gesamtzustand. Sie erleichtert auch das Monitoring durch die Restauratoren.

Freskodetail während der Schadkartierung, Foto: STSG, André Kranert

Der Zustand der Malschicht, Risse, lockere Stuckteile, Spuren früherer Restaurierungen wie alte Klebestellen und Retuschen werden begutachtet und Schäden präzise kartiert. Anhand der genauen Erfassung kann während der Sanierung am Dach schnell festgestellt werden, wenn zusätzliche Schäden auftreten und ein Eingreifen notwendig wird. Bei der Kartierung auf beengtem Raum hilft manchmal auch ein Perspektivwechsel, wie sich hinzulegen.

Schadkartierung unter der Festsaaldecke von Schloss Heidecksburg, Foto: STSG, André Kranert

Bei der Kartierung sind besonderes Detailgespür und alle Sinne gefragt. Durch das leichte Anklopfen des Stucks wird die Festigkeit geprüft, ein „Knirschen“ gibt den Experten dabei Hinweise auf feine Haarrisse, die das bloße Auge nicht entdecken kann.

Behutsames Klopfen offenbart unsichtbare Risse im Stuck, Foto: STSG, André Kranert

Zuletzt wurde der Festsaal samt Decke vor rund 35 Jahren restauriert. Zustand von Stuck und Malschicht wurden durch die Restauratoren jetzt noch einmal aufgenommen. Ältere Retuschen und Kittungen blieben den Profis dabei nicht verborgen. Über die Jahrzehnte kam auch der ein oder andere kleine Riss hinzu, insgesamt ist der Zustand im Olymp aber erfreulich gut.
 

Anke Pennekamp


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